Werbung fürs Quartier – Ein Konsumaufruf in Zeiten nach Corona

Mein eigenes Konsumverhalten hat sich während der Corona-Pandemie verändert. Nie habe ich so viel online bestellt, aber auch gleichzeitig so wenig Geld ausgegeben. Keine Spontankäufe, keine Ausgaben für auswärtiges Essen, Gastgeschenke oder ähnliches. Stattdessen wurde gekauft, was ich dringend benötigte, und das zum Teil eben auch online. Erst ging es nicht anders, und dann stellte ich fest, wie bequem es ist, und dass ich auch viel besser drüber nachdachte, was ich wirklich haben wollte. 

Inzwischen haben die Geschäfte wieder geöffnet, doch ich merke, ich gehe immer noch nicht hin. Mit einer Ausnahme, davon unten mehr. 

Jedenfalls hat sich etwas verändert bei meinem Einkaufsverhalten.

Warum ich darüber nachdenke? Weil eine Freundin sich mit einem Laden just zu Beginn der Corona-Krise selbständig gemacht hatte. „Fruchtaufstriche, Feinkost und Schönes“ gibt es bei ihr im Laden, mit viel Herzblut zubereitet und ausgesucht. Hochwertige Lebensmittel, handverlesen Praktisches und Schönes. Dort bin ich gerne, stöbere im Angebot und kaufe mit gutem Gewissen und gutem Gefühl. Manchmal geh ich auch nur auf ein Schwätzchen vorbei. Quartiersleben, so nennt man das wohl heute, und es vermittelt mir ein gutes Gefühl. Doch wie lange ist das noch möglich? 

Viele Menschen meinen, jetzt würde es wieder brummen im Einzelhandel. Ist aber leider nicht so. Ist das nur ein Gefühl? Leider nein. Das bestätigt das Einzelhandel-Konsumbarometer z.B. hier  https://einzelhandel.de/konsumbarometer

Es ist eben nicht alles wie vor Corona, und in vielen Bereichen des Lebens empfinde ich das auch als sehr wohltuend und gut. Für die Inhaber kleiner Läden ist es allerdings existenzbedrohend, gerade jetzt, wo eben keine staatlichen Hilfen mehr greifen und es wieder „fluppen“ müsste. 

Gerade jetzt schließen sie, die kleinen Geschäfte, die mit den ausgesuchten Waren, die, die zum Stöbern einladen. Die, in denen man nette Leute trifft, Gleichgesinnte, wo noch Zeit für ein Gespräch ist. Wo ich auch gerne mal hingehe, einfach nur so, weil sie Teil meines direkten Lebensumfeldes sind. 

Ich habe es sehr bedauert, dass es in unserem Viertel den kleinen Lebensmittelladen nicht mehr gibt, in dem meine Mutter z. B. für unsere Familienfeiern das Fleisch vorbestellt hat. Er wurde geschlossen, weil er sich nicht mehr lohnte. Es gibt hier alles an Supermärkten drumherum, was man sich vorstellen kann, es herrscht kein Angebotsmangel. Mit Parkplätzen davor. Und hochtrabenden Namen wie „Annentalcenter“, wenn auch nur vier Geschäfte am gleichen Ort sind. Aber im alten Laden gab‘s auch mal Zubereitungstipps, oder man konnte etwas vorbestellen, was man gerne hatte. Die Verkäuferinnen kannten die Nachbarschaft und man war ein Stück Zuhause dort. 

Ich möchte so leben. Im Viertel. Unter Freunden. Nicht alleine. Das ist mir heute klar geworden. Ich gehe gerne in einen Laden, der ein Nicht-Mainstream-Angebot hat, wo ich beraten werde, wo ich mich willkommen fühle. 

Deshalb: 

Wenn ihr dieses Gefühl kennt und teilt, kann ich mir nur wünschen: Geht in diese Läden in eurer Nähe, unterstützt sie und holt euch euer Wohlfühlgefühl dabei ab. Es lohnt sich, für euch und für sie. 

3 Gedanken zu “Werbung fürs Quartier – Ein Konsumaufruf in Zeiten nach Corona

  1. Eli

    100 % richtig beschrieben. Der einzige Ort, den ich seit der Pandemie öfter besuche ist der Altpapiercontainer, alle Umverpackungen von den Onlinebestellungen entsorgen. Habe auch in der letzten Zeit verstärkt versucht, das zu vermeiden, doch oft lockt tatsächlich der schnelle Kauf per Klick. Ein Blick in die leerstehenden Läden erinnert daran, dieses Verhalten schleunigst zu ändern…

    Gefällt 1 Person

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