Herbst, ein Nachruf, und viele Fragen

Heute mit einer Freundin bei warmen 17 °C und Sonnenschein einen Gartenmarkt geplündert und gefühlt 100 Pflanzen und Zeugs mitgenommen. Hier zu Hause dann, wie fast immer, das Gefühl gehabt, da wär doch noch was gegangen! Aber wir mussten uns ja auch ein Auto teilen mit unseren Einkäufen. 

Trotzdem zutiefst zufrieden den Gartentisch unters Regendach geholt, die Küche wie jeden Winter mit dem kleinen Tisch gefüllt, der sonst unter dem Dach steht (was sie eng, aber irgendwie gemütlich macht) und alles herbstlich flammend und leuchtend dekoriert und gepflanzt. Danach zufrieden mit dem Mann und dem Kater draußen gesessen, Heißgetränk getrunken, Plätzchen gegessen und das Werk betrachtet („Und es ward gut“). Hach, Herbst kann so schön sein! 

Mir ist schon nach Einmuckeln jetzt. Es passt zu meiner „Ich-will-Niemanden-sehen-und-hören-Stimmung“ der letzten Monate, aber ganz langsam habe ich auch wieder Lust auf andere Menschen. 

Dazu beigetragen hat ein Gespräch über Nachrufe. Genauer gesagt über den eigenen Nachruf, den man sich überlegen könne, um ihn dann mit dem Istzustand des eigenen Lebens abzugleichen. Erschreckenderweise fiel mir als erster Satz ein:

Sie ist eigenbrötlerisch und menschenfeindlich.

Also nicht, dass ich das sein möchte! Aber ich bin es in der letzten Zeit tatsächlich gewesen, und das wurde mir schlagartig klar. Dennoch: Sowas möchte ich nicht in meinem Nachruf stehen haben. Was also tun? 

Ja, mich mal wieder bei anderen Menschen melden. 
Vielleicht was unternehmen mit ihnen. 

Und schon ruft eine innere Stimme in mir: 
Das ist so anstrengend! Das schaffst du doch gar nicht! 

Ich weiß nicht, wie andere Menschen das machen, ich finde es anstrengend, mehr als zwei Stunden in ein anderes Leben einzutauchen, Erzähltes und Stimmungen aufzunehmen, oder auch etwas von mir zu erzählen, das über „eigentlich gibt’s nichts Neues“ hinausgeht. Anscheinend halte ich das nur auf Spielfilmlänge durch. Und dann möchte ich gerne in mein Bett, um am nächsten Tag damit klarzukommen, dass um kurz nach 5 der Wecker klingelt. Ansonsten bin ich nämlich völlig zerstört und trage dieses Schlafdefizit durch eine immer schwerer werdende Woche mit einer Laune, die von Tag zu Tag schlechter wird.

Wenn ich mir selbst zuhöre, komme ich mir vor wie eine Mischung aus alter Frau (so eine, die ein bisschen streng riecht und an wirklich Allem was auszusetzen hat) und schlechtgelaunter Katze (ich lieg hier jetzt und bin schön, aber FASS DU mich bloß nicht an). 

Heute Nacht habe ich wirklich gut geschlafen. Ausgeschlafen. Und ich musste heute auch nicht zur Arbeit (Vier-Tage-Woche, juchhuuuu, ohne dich wäre ich verloren!) Vielleicht hatte ich deshalb die Energie, heute früh mal schnell ein paar Dinge zu erledigen und mich danach mit einer Freundin zu treffen und noch was Nettes zu machen (s. oben) und dies bis jetzt zu genießen.

Aber sollte ein soziales Leben nicht auch mit einem regelmäßigen Broterwerb für mich möglich sein? 

Tage, an denen ich arbeiten muss, laufen ganz anders ab, ich erspare euch die mageren Details meiner Abende zwischen Kater und Flimmerkiste (zum Lesen z.B. bin ich abends schon vieeel zu müde). Wie machen das nur andere Menschen? Für die Rente bin ich doch noch zu jung! 

Die Dinge, die mich sonst noch so erfreuen (Garten, Katzen, Bücher, Töpfern) sind auch keine „Stimmungskanonen“, und so verbringe ich viel Zeit mit mir selbst. Und bin danach erschöpft. Immerhin habe ich mich durchgerungen, mit vier anderen Frauen gemeinsam über Bücher zu reden. Momentan für mich das soziale Superevent. Und zugegebenermaßen nett. Anregend. Die Bücher stapeln sich bereits in der Warteschleife, während ich noch nach einer Möglichkeit suche, abends die Augen offen zu halten. 

Sind alle Menschen mit 57 Jahren schon so müde? Ist das eine Corona-Auswirkung oder die Folge falscher Ernährung? Eine depressive Episode oder Bewegungsmangel? Oder von Allem ein bisschen? 

4 Gedanken zu “Herbst, ein Nachruf, und viele Fragen

  1. guten Morgen
    🙈zeilenweise dachte ich, du schreibst über mich… ich verstehe absolut was du schreibst, auch mich macht mein antriebslise, müdes und menschenscheues Leben stutzug und ich frage mich: wie geht dad weiter, wann habe ich die Energie das zu ändern.
    Hab einen tollen Tag 🌻

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  2. Gudrun Wagner-Boy

    Ach meine Liebe,

    wie gut ich diesen Zustand kenne 😦 Da heißt es ganz besonders gut für sich sorgen, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, aber auch immer darauf achten, dass man den Kontakt nach außen nicht verliert. Denn liebe Menschen um einen herum sind gerade auch in diesen Zeiten besonders wichtig! Ich drücke dich und bin da!!!! Gudi

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