Traum-Mysterium

Seit Tagen sorge ich mich um den roten Kater, der, nachdem der Mann und damit seine Lieblings-Bezugsperson wieder ins Krankenhaus musste, stiller und stiller wurde, sich kaum noch bewegte, tatsächlich nur schlief, nichts mehr erzählte, desinteressiert an Allem war. 

Er änderte seine Gewohnheiten, schlief nicht mehr im Bett, krähte mich nicht morgens nach unten, um Futter einzufordern, sondern zog sich einfach immer mehr zurück. Nun ist er ja schon alt, und irgendwann wird das Unvermeidliche kommen, aber meine große Sorge war, dass es etwa kommen würde, wenn ich hier mit ihm alleine bin, und dann meinem Mann sagen müsste, du, wenn du nach Hause kommst, da fehlt einer…

Dem Ganzen vorausgegangen war eine Zeit häufigen Erbrechens, die sich aber just zu dem Zeitpunkt, da ich überall im Haus Jederzeit-zur Hand-Läppchen verteilt hatte, beendet war. 

Nun ist er wieder da, der Mann (juchhu!), und siehe da, der Kater erzählt wieder, frisst wieder regelmäßig und fordert das auch ein. Er bewegt sich zwar immer noch nicht sehr viel, doch ist sein Allgemeinzustand deutlich lebhafter. 

Heute Nacht war er sehr unruhig, ebenso wie ich, und immer, wenn ich die Augen aufschlug, schaute auch er mich an. Und schmatzte. War ihm wieder schlecht? Meine Sorgen schlugen schon wieder Purzelbäume. Irgendwann zwischen 2 und 4 bin ich dann doch in einen Traum gefallen. Ich lag mit Simba im Arm (genauso wie tatsächlich im Bett) auf dem Sofa. Von dort blickt man auf unseren Fernseher, und plötzlich, und mir standen im Traum alle Haare zu Berge, kommt hinter dem Fernseher Sharif (unser im Oktober verstorbener weißer Kater) hervor. Auch Simba springt in meinem Arm sofort auf, ich kann es kaum glauben, bin mir aber sicher, ja weiß, dass es Sharif ist, quicklebendig! Vor Schreck/Überraschung/Grusel?…  werde ich wach. In realo steht der rote Kater vor mir, guckt mich an, miaut, räkelt sich und geht nach unten. Ich, noch ganz benommen, frage mich: Ist Sharif jetzt gekommen, um Simba zu holen? 

Ja, nachts kommen mir immer nur negative Gedanken. Ist irgendwie so ein Gesetz. 

Und ich frag mich allen Ernstes: Hat Simba ihn auch gesehen? Es fühlt sich jedenfalls so an. 

Und kennt ihr das, wenn Träume den ganzen Tag total präsent bleiben? So geht es mir heute. 

Der rote Kater indes genießt den Tag, die Sonne auf seinem Fell, die Nähe der Menschen, regelmäßiges Futter und Bekuscheltwerden. Dazu gibt’s durchs Fenster Katzenkino am Futterhaus, das muss er lautstark kommentieren.  

Vielleicht wollte Sharif uns auch nur sagen, dass die Zeit noch nicht reif ist.

Warum ich allerdings beim Gedanken an diesen Traum ständig losheule, das ist ein weiteres Mysterium dieses Traum-Tages. Und, nein, das ist nicht so schlimm, weil es ganz gut tut, die Anspannung der letzten Tage loslässt. Und die Sonne heute und die Spaziergänge draußen taten auch gut. In jeder Hinsicht ist heute ein Traum-Tag.

2 Gedanken zu “Traum-Mysterium

  1. Nicht ganz so, aber Ähnliches, das mich etwas aus dem Nichts heraus anrührt, auch zu Tränen, als wollte sich etwas mitteilen, kommt mir auch ab und zu vor, damit bist du nicht allein. Mir tut es umgekehrt gut, davon bei dir zu lesen. Dir und den Deinen alles Gute!

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