Gewohnheiten

Es gibt Gewohnheiten, die irgendwann so gewohnt sind, dass ich deren Ausbleiben erst gar nicht bemerke. Und wenn ich es merke, bin ich fast erleichtert. Das wiederum ist ein sicheres Zeichen, dass etwas nicht stimmte, dass es hakte, schon vorher.

Gewohnheiten können ein Gerüst bilden, sie können aufrüsten gegen etwas, oder einrüsten für etwas, je nachdem, ob ich Schutz vor außen oder vor meinem Inneren suche. Sie können Halt geben und Sicherheit, und ich bin nicht sicher, ob ich das gut oder weniger gut finde. Ob es mir den Kopf frei macht oder verklebt.

Gewohnheitsmäßig lege ich meine Lakritze auf der Sofakante ab, wo auch mein Wasserglas steht, meine Bücher liegen. Gerade jedoch ist die Lakritztüte einfach hinten durchgerutscht. Ist also jetzt zwischen Wand und Sofa eingeklemmt. Mit weitreichenden Folgen: Wenn ich noch weiter Lakritz essen möchte, muss ich 1. den Kater wecken, der neben mir auf dem Sofa schläft, 2. das Sofa von der Wand abziehen, damit die Tüte nach unten durchrutscht und 3. dann irgendwas besorgen, um die Tüte nach vorne zu ziehen. Wahrscheinlich muss ich auch danach noch saugen, weil ich Trillionen an Staubflocken und Katzenleckerlis mit nach vorne gezogen habe.

Der Ausbruch aus Gewohnheiten zieht also manchmal einen Rattenschwanz nach sich, der kaum zu übersehen ist. Auch bei Gewohnheiten, die in der Interaktion mit anderen Menschen bestehen.
Nur eine kleine Veränderung im Ton oder Timing, schon ribbelt sich das Knäuel der Gemeinsamkeit auf, bilden sich Knoten, reißt der Faden.

In der Natur wächst ein Zweig an anderer Stelle weiter, falls er abgeknickt wird. Er ändert die Richtung ein wenig. Da ist nichts starr. Der Baum, gewohnt, nach oben zur Sonne hin zu wachsen, weicht einem Hindernis aus, umwächst es. Er ist anpassungsfähig.

Wie weit schränken meine Gewohnheiten mich ein? Wo übersehe ich Potentiale zur Veränderung? Wo benötige ich Gewohnheiten? Wann wird aus gewohnt gewöhnlich?

Wie auch immer, ich werde jetzt die Lakritze befreien. Um sie dann in den Schrank zu legen. Damit ich morgen wie gewohnt die Schranktür öffnen kann, die Lakritztüte schnappen kann und …s.o. 😉

 

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu “Gewohnheiten

  1. Liebe Hummel,
    Schön, dein Anstoß, wieder einmal über Gewohnheiten nachzudenken. Auch hier hilft ein Frühjahrsputz oder ein Bilanz ziehen oder ein aussortieren. Regelmäßig, meine ich.
    Liebe Grüße und einen tollen Nachmittag
    Judith

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