Frage – Eine abc-Etüde

Der folgende Text ist ein Beitrag zu den abc-Etüden hier bei Christiane, und diesmal ist es mir richtig schwer gefallen. Es lag wohl an einem der Begriffe, Unbehaustheit, der mir bislang völlig fremd war. Mein erster Impuls war: Da wird aber beim Scrabble eine Diskussion aufkommen. Doch ein Blick in den Duden hat mich eines Besseren belehrt, das Wort, übrigens zusammen mit haschen und schwermütig von Bernd und seinem Blog Red Skies over Paradise gespendet, ist tatsächlich ein richtiges Wort! Ich habe jetzt eine Woche darauf herumgekaut, und warum ich in dem Text ein männliches Gegenüber brauchte, keine Ahnung. Es ist gemein, aber es passte für mich am Besten. Lest selber, lang ist es nicht geworden:


 

Warum ich so schwermütig sei, fragt er. Es gebe doch keinen Grund dafür, alles sei doch gut. Lachen würde mir gut stehen und meine Begeisterungsfähigkeit sei so wohltuend  mitreißend. Ob er nicht wenigstens ein kleines Lächeln erhaschen könnte?

Dabei fühle ich mich gar nicht schwermütig.
Lediglich ein Lebensgefühl der Unbehaustheit tritt manchmal zu Tage. Seltsam wurzellos stehe ich in der Welt, ohne Fundament und ohne Dach bin ich den Elementen ausgesetzt, die sich doch wohlwollend um mich winden, mich erden, aber mich nie verletzen wie deine Bemerkungen es so leicht können.

Die Elemente, sie lassen mich sein, sie werten nicht, sie fordern nicht. Der Wind weht um mich herum und durch mich durch und macht den Kopf frei. Die Sonne scheint auf mich und in mich und wärmt mich auf. So bin ich unbehaust und zugleich voller Heimat. So stehe ich im Wald, während es auf mich regnet. Während ich den leisen Modergeruch in mich einsauge und einen Blick in die Unendlichkeit erhasche. Und während das kalte Wasser in meine Schuhe sickert und die Jacke schwer an mir klebt, hebt sich meine Seele, auch ohne dass meine Lippen lachen.

12 Gedanken zu “Frage – Eine abc-Etüde

  1. Das klingt jetzt vielleicht (hoffentlich nicht) unpassend oder blöde, aber das ist ein Text, bei dem ich als „Etüden-Mama“ stolz bin, wenn ich ihn lese.
    So viel Tiefgang, so viel wunderbares nachdenkliches Überlegen und … Leuchten.
    Manchmal kommen Herausforderungen genau richtig. 😉
    Liebe Grüße aus dem tropfenden, nebligen, nächtlichen Hamburg
    Christiane 😁👍🕯️🍷

    Gefällt 3 Personen

    1. Ohh, Christiane, das ist aber schön! Ja, nachgedacht hab ich wirklich viel über diese Worte, über diesen Text. Um so schöner, wenn es sich gelohnt hat. Ich danke dir (und dem Spender dieser Worte, die mich so angestoßen haben)!
      Morgendlich-regnerische Grüße,
      Andrea

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  2. Ich fand es gemein, dass ein männliches Gegenüber mir die Eingangsfrage stellte. Es hätte ebensogut eine Frau sein können, aber es las sich irgendwie für mich nicht so stimmig. Der „Abgrund“ tat sich eher zwischen Mann und Frau auf. Aber vielleicht war das auch eher nur in meinem Kopf 😉

    Gefällt 1 Person

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