Freitagabend – abc-Extraetüde

Während ich mich abschnalle, höre ich schon den Kater, der mich anklagend anmaunzt. Sooo spät bist du, wir haben Hunger, warum gibt es noch nichts, es ist kalt hier draußen, wieso mussten wir so lange warten?
Sei still, sonst kommt der Tierschutz, grummel ich, während ich versuche, die Haustür zu öffnen, ohne den Dickschädel des roten Katers einzuklemmen, während der weiße sich noch schnell im Dreck wälzt und mich dann überholt.

Ich bin totmüde, knalle meine Tasche in die Ecke und möchte mich nur noch dem Wochenende hingebenund abschlaffen. Nur noch die Schuhe ausziehen, mir irgendwas Leckeres aus dem Kühlschrank schnappen, die Decke hervorzergeln und es mir auf dem Sofa bequem machen. So wie früher, als ich noch alleine wohnte.
Da war alles egal, egal, wie ich aussah, egal, was ich im Fernsehn anschaute, egal, was ich gegessen hab. Ich musste niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen.

Rechenschaft? Dass ich alleine schon denke, dass ich Rechenschaft ablegen müsste, zeigt mir, wie ambivalentmein Denken ist. Ich kann es doch nur vor mir selbst nicht zulassen, dass ich bei Bergdoktor & Co. besser abschalten kann als bei einer hochgeistigen Unterhaltung!

Ich gehe in die Küche. Der rote Kater stapft mir vorwurfsvoll hinterher. Miau miau miau. Jaja, ich beeil mich ja. Schnell das Futter geöffnet, und kurze Zeit später dringt zufriedenes Schmatzen an mein Ohr. Zeit, mich um mich selbst zu kümmern.

Im Kühlschrank ist ein Stück Käse, halb verschimmelte Möhren (die sind seltsamerweise immer da) und ein Stück Gurke. Also Käse mit Gurke. Und Chips sind noch da. Die passen immer, sind variabeleinsetzbar zu jeder Stimmung.

Ich trolle mich in Richtung Wohnzimmer. Miau miau miau. Was denn? Ich will doch nur hier liegen! Miau miau miau röhrt mich der Rote an. Mau mau mau piepst der Kleine. Beide setzen sich erwartungsvoll vor mich. Miau. Mau. Mau. Miau. Brrr. Miau.
Hm, was? herrsche ich sie an. Quatscht keinen Roman! Was wollt ihr denn?

Ich werde weiter hypnotisiert. Sie können sich nicht vorstellen, dass ich SO DUMM bin. Es ist SPIELZEIT, sagt ihr Blick. Gemeinsam fangen sie an, mich anzustupsen, über mich zu laufen, ihre Krallen am Sofa zu schärfen. Bis sie sich schließlich ineinander verkeilen und laut brüllend durch die Wohnung rollen. Dann ist es genug! Das ist ihre letzte Verzweiflungstat, wenn ich gar nicht reagiere, dann spielen sie miteinander Krieg. Laut und garstig hört sich das an, aber sobald sie das leise Klackern der Futterkekse für die abendliche Spielrunde hören, ist jegliche Rivalität vergessen. Dann kommen sie sofort wieder zu mir und sind die liebsten aller Katzen.

Wahlweise  pfeffere ich nun Katzenkekse durchs Zimmer oder werfe so, dass der Kater sie aufschnappen kann, minutenlang. Ach, sind sie süß, die Beiden, denke ich noch, während ich das Glas wieder verschließe. Sie sind so menschenbezogen, so anhänglich! Nach dem großen Fressen kommt das Putzen, dann höre ich die Katzenklappe. Ich bin entlassen, ich habe meine Schuldigkeit getan, die Nacht ruft. Und ich schlafe zufrieden auf dem Sofa ein… Gut, dass mich niemand beobachtet!


Das sind die Regeln:

2019_40_26482_extraetueden

wie immer bei hier bei Christiane  nachzulesen, der ich danke für ihre Mühe, die sie mit uns hat. Ich finde es toll, wie du das machst, ehrlich! Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mir zu diesen Begriffen noch etwas einfällt. Aber vielleicht begleiten sie  mein Leben, ohne dass ich es wusste?

Werbeanzeigen

13 Gedanken zu “Freitagabend – abc-Extraetüde

  1. Katzengejammer – davon kann ich auch ein Lied singen. Okay, bei mir lebt nur einer, und ich habe keine Katzenklappe, aber sonst kommt mir das doch sehr bekannt vor. Im dicksten Regen raus wollen und dann protestieren, dass alles doof ist, das ist gerade sein Lieblingsspiel. 😾
    Katzen sind ein unerschöpfliches Thema.
    Liebe Grüße und danke
    Christiane 🌬️🌧️😀👍😺

    Liken

    1. Naja, beigebracht hab ich ihm das nicht, er konnte es einfach! Unser Kleiner kriegt das nicht hin. Der Große hat anfangs auch Bällchen oder Stoffmäuse apportiert, da hab ich auch gestaunt!
      Schönes Wochenende!
      Hummel

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 41.42.19 | Wortspende von reisswolfblog | Irgendwas ist immer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s