Seltsam

Heute Nacht, 4.12 Uhr.

Ich wache auf, muss zur Toilette. Auf dem Rückweg fällt mir ein: Hast du überhaupt den Wecker gestellt? Schnell nachgeschaut auf dem Handy, puh, nein, vergessen, nachgeholt. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen.

Ich kuschel mich wieder ein und schlafe weiter.

5.15 Uhr

Der Wecker klingelt.

Wie jeden Morgen macht der Mann neben mir keine Anstalten, sein Aufwachen anzuzeigen, sondern bleibt eingerollt liegen. Auch gut. Ich schleppe mich unter die Dusche und lasse, während das Wasser auf mich einprasselt, das vergangene Wochenende Revue passieren und sortiere schon mal, was mich gleich im Büro erwartet.

Plötzlich durchfährt es mich heiß und kalt: Christine! Ich war doch zum Frühstück verabredet mit ihr! Sch…, hab ich total vergessen. Aber sie hat sich auch gar nicht gemeldet! Komisch…

Und fast gleichzeitig, während meine Gedanken sich überschlagen und ein Gefühl sich in mir ausbreiten von „Das kann doch gar nicht!“ – merke ich, dass es vielleicht – etwa – bestimmt!  heute erst Sonntag ist! Das Frühstück ist gleich erst. Ich habe nichts vergessen, nur irrtümlich den Wecker gestellt. Mich selbst ertappend und irgendwie beschämt wickel ich mir ein Handtuch um die nassen Haare und krabbel zurück ins Bett. Der Mann murmelt was von „Alles in Ordnung? Geht’s dir nicht gut? Kannst du nicht schlafen?“ während ich zu meinem Buch greife. Doch doch, ich hab mich nur vertan, stell dir vor… schlaf weiter…

Seltsam.

So muss es sich anfühlen, wenn man langsam dement wird.

12 Gedanken zu “Seltsam

    1. Ich hab mich wirklich erschreckt, liegt vielleicht an meiner familiären Vorerfahrung. Ich weiß auch gar nicht, was ich schlimmer fand, ein Date vergessen zu haben, auf das ich mich doch freue, oder so verwirrt zu sein. Jetzt jedenfalls bin ich froh, so viel Zeit zu haben :-))

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  1. Manchmal kommt es ja auch vor, dass man aufwacht und das Traumgeschehen noch nach einem greift, und so ähnlich stelle ich mir dieses spezielle Ereignis vor.

    Bezüglich der Ängste kann ich mich gut an die stärkste Phase meiner Wechseljahrs-Erscheinungen erinnern, zu denen eine „Tüdeligkeit“ bis hin zu Wortfindungsproblemen kam. Das vergeht genau so wie der pubertäre geistige Leistungsknick der Teenagerjahre wieder von selbst, wird nur leider weniger thematisiert als die anderen Begleiterscheinungen, obwohl es viel besorgniserregender wirkt.

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    1. Ja, wahrscheinlich war es so. Bezüglich deiner Anmerkung zu den Wechseljahrs-Erscheinungen, davon hab ich tatsächlich noch nicht gehört. Es würde aber einiges erklären, und noch dazu so positiv, dass ich das gerne als Erklärung annehme!

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      1. Das wird im Sinne des ohnehin schon schwierigen Stands von Frauen, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, vermutlich oft unter den Tisch gekehrt, statt die Frauen mit besserer Aufklärung über mögliche Beschwerden von deprimierender Besorgnissen mental zu befreien, statt sie Medikationen von Symptomen in die Arme zu treiben.

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    2. Hallo
      ich habe gerade deine „Wechseljahrs-Erscheinungs-Erklärung“ gelesen. Da fiel mir echt ein Felsbrocken vom Herz. Schön, dass meine „Tüdeligkeit“ eine so natürliche Erklärung finden. Sehr beruhigend für mich. Hatte ich tatsächlich noch nicht gehört oder gelesen. Danke für die Aufklärung.
      viele Grüße „smilane“

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