Die Welt von allen Seiten

 

Ist der Froschkönig der, der am lautesten quakt? Der am höchsten springt? Oder der auf dem größten Seerosenblatt?

Trübe Zeiten, in denen wir leben, wenn wir so denken, oder? Aber realistisch? Tickt unsere Gesellschaft so? Inzwischen? Oder schon immer? Ticke ich so?

Angeregt durch Michael Moores Film „Where to invade next“, den ich heute Nacht sah, entspann sich heute morgen eine lebhafte Diskussion am Frühstückstisch. Über Wertevermittlung, unsere inzwischen doch recht unübersichtliche Medienlandschaft, Führung als Aufgabe von Politik, Deeskalation und das, was helfen könnte, unsere Gesellschaft weg vom „Schneller-Schöner- Neuer-Besser-Teurer-Komfortabler-Ich“ in ein „Miteinander-Füreinander-Freundlicher-Lebenswerter-Wir“ zu verwandeln.

Es ist, so merke ich an mir, anstrengend bis unmöglich, die Welt von allen Seiten zu betrachten, und es ist zeitaufwendig. Dennoch habe ich die Zeit, könnte sie mir nehmen, und zum Beispiel regelmäßig den Krautreporter lesen, statt mich abends vor den Fernseher zu knallen und irgendeine Serie weiterzuschauen, die mit meinem Leben und den zu lösenden Aufgaben herzlich wenig zu tun hat.

Ich bin traurig, weil ich allzu oft Dinge vergesse, die mir wichtig sind. Wie zum Beispiel Prinzipien der Deeskalation. Ich bin zurückgefallen in das ewige Schimpfen, Aufregen, Aburteilen. Es ist ein Ventil, vielleicht, aber keine Lösung. Ich habe vergessen, mein Gegenüber als gleichwertig und liebenswert zu betrachten, einen gemeinsamen Nenner zu suchen, um Verständigung zu ermöglichen.

Wäre unser Weg zur Arbeit doch plakatiert mit Botschaften, die Verständnis für einander wecken, die Unterschiede aufzeigen und gleichzeitig wertschätzen, die uns unterstützen, offen auf Andere zuzugehen. Die uns ermutigen, es immer wieder zu versuchen und ein Scheitern nicht als Versagen, sondern als wichtiges, lehrreiches Erlebnis für einen neuen, modifizierten Versuch beschreiben. Ermutigende Botschaften, die unser Zusammenleben fördern. Wäre das ein Anfang? Für mich jedenfalls wäre es hilfreich. Jede Wiederholung übt.

 

 

 


 

Für die Etüden bei Christiane, die Worte kamen diesmal aus dem Blog von Viola. Vielen Dank an euch beide!

 

 

 

 

 

10 Gedanken zu “Die Welt von allen Seiten

  1. Danke für Gedanken und Links. Aber, ganz ehrlich, man kann nicht 24 Stunden am Tag „gut“ sein. Die Serie am Abend zur Entspannung muss genauso drin sein dürfen wie die Tafel Schokolade oder das Glas Wein zu viel.
    Ansonsten ja, die Wahlwerbung … was für eine Materialverschwendung und was für ein Irrsinn!
    Irgendwas zum Innehalten, ich glaube, viele wüssten das zu schätzen.
    Liebe Grüße, danke fürs Mitmachen
    Christiane

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    1. Ja, schon klar, aber Entspannung ist was Anderes als Flucht. Wahrscheinlich alles eine Frage des Maßes. Ich verfalle halt schnell in ein Gefühl von „ist doch eh alles egal, ich hab keine Kraft mehr, es wird sich eh nie was ändern, schau ich halt fern bis ich alt und grau bin“. Und komme dabei – natürlich – schlecht drauf. Da hilft dann keine Tafel Schoki mehr, sondern nur eine Erinnerung daran, dass es auch noch andere Menschen gibt, die sich nach ähnlichen Dingen sehnen wie ich, und dass wir gemeinsam mit ein bisschen Bemühung/Information/Sebstdisziplin und Verhaltensänderung einiges verbessern können! Gestern war die Erinnerung halt der Film, der so viele schöne Beispiele aus Europa gezeigt hat. Und heute morgen ein Artikel vom Krautreporter. Sowas wünsche ich mir halt öfter!
      Lieben Gruß, danke fürs Lesen und Kommentieren und einen entspannten Feiertag! 🙂

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      1. Ich habe keinen Feiertag hier – Hamburg ist protestantisch.
        Du hast recht mit dem Maß. Es ist leider so, dass man sich immer wieder selbst aus dem Sumpf ziehen muss, wenn einen die Verzweiflung über die scheinbare oder tatsächliche Sinnlosigkeit erwischt. Und manchmal ist das echt ein Problem.

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  2. In dem Buch „Eiland“ von Aldous Huxley hat man den freilebenden, allgegenwärtigen Papageien solche Losungen breigebracht.
    Komischerweise so ziemlich das einzige , das ich aus dem Buch erinnere – und das es nicht gut endete.
    Lierbe Grüße
    Natalie

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  3. Der Froschkönig, so hatte ich das verstanden, ist der, der sich am weitesten aus der Froschwelt herauswagt. Was allerdings kein Wunder ist, denn er ist ein verzauberter Prinz. Dennoch. Als Ekel-Kröte neben dem Silberbesteck zu sitzen, das braucht Mut. Oder?

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  4. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 27.19 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

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