Unappetitlicher Zustand

 

Mein Kopf ist sowas von leer, dass ich Angst habe, es tropft rein beim nächsten Regenguss.

Wenn ich dann geflutet bin, kann ich vielleicht weinen. Danach ist mir eigentlich zumute, aber unabwendbar kämen wohl Fragen auf, Fragen, die ich zu beantworten hätte. Kann ich aber nicht.

Es kommt in Wellen. Im einen Augenblick ist alles in Ordnung, im nächsten verengen sich meine Pupillen, meine Haut hängt faltig und trocken an mir runter und das Hirn geht in Standby. Oder eher in den Ruhemodus, in die Dauerschleife des Nichtstuns, und der dranhängende Körper macht mit.

Weinen brächte vielleicht Erleichterung, aber so drauf los zu weinen fällt mir schwer. Normalerweise heul ich ja schon los, wenn ich einen schönen Film gucke oder manchmal auch beim Zeitunglesen, wenn Irgendjemand mal besonders nett zu jemand Anderem war. Funktioniert aber heute nicht, ich habs probiert.

Vielleicht bin ich auch ausgeweint, weil es ja im Grunde immer irgendetwas gibt, was betrauert werden kann. Es gibt auch immer irgendetwas, was mich erfreut, doch selbst die Freude ist irgendwie lahm geworden, schaut mich in wenig scheel an, nur eine kleine Abweichung, aber es reicht, dass ich in Habacht-Stellung gehe und ihr nicht traue.

Also schaue ich dem Kater zu, wie er pumpend seinen Mageninhalt auf den Fußboden würgt.

Ich hab das die letzten Tage oft gesagt, ich könnte ko… kann ich aber eben nicht. Der Kater kanns. Bei ihm ist es auch nicht als eine Form der Meinungsäußerung gedacht, hat aber dennoch mit innerer Reinigung zu tun.

Ich würde jetzt gerne nochmal in eine Reha fahren, so drei oder vier Wochen, regelmäßiges Essen, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, und ansonsten keinerlei Verantwortung fühlen. Das wäre traumhaft. Aber der Rücken ist stark.

Könnten Sie mir bitte mal ins Kreuz treten? Oder mich zusammenreißen? Ich danke Ihnen schon mal!

 


300 Worte und meinen Dank sende ich an Christiane für die Orga und Werner Kastens für die Wortspende.

4 Gedanken zu “Unappetitlicher Zustand

  1. Das klingt nach einem ziemlich beängstigenden und unerfreulichen Zustand deiner Ich-Erzählerin. Auch Katzenkotze ist nicht wirklich erfreulich – ich weiß, wovon ich spreche.
    Hoffentlich geht es bald wieder besser!
    Liebe Grüße
    Christiane, besorgt 😟

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  2. Vielleicht fehlt nur ein wenig Aufmerksamkeit? Die Katze kotzt sich aus, man schaut zu, streichelt sie danach. Aber wer streichelt einen selbst?
    Ich denke, eine gut geschilderte Situation, wie man nach und nach anfängt zu versinken.

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.19 | Wortspende von viola-et-cetera | Irgendwas ist immer

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