Frohes Schaffen

Ich bin so froh.
Ich bin so froh, dass auf der Arbeit gerade wieder mal richtig viel zu tun ist!

Es gibt Menschen, die sagen, ich jammere auf hohem Niveau. Mag sein, dass es für den permanent gestressten Zeitgenossen eine schöne Vorstellung ist, morgens zur Arbeit zu kommen und für eine oder zwei Stunden genug zu tun zu haben, um dann den Rest der Zeit damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Oder zu genießen, dass nichts zu tun ist.
Ich finde das grauenhaft!
Ich stelle mir vor, was ich alles tun könnte, statt im Büro rumzusitzen.
Ich versuche, nicht gelangweilt auszusehen, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass wir zu viele Mitarbeiter sind, damit niemand geschmissen wird.
Ich versuche, keine schlechte Laune zu bekommen und nicht ständig zu essen, um etwas zu tun zu haben. Es gelingt mir nur mäßig.

Ich ver-suche. Ich suche nach Beschäftigung und verzweifele und verliere meine Selbstbestätigung, meine Zuversicht und mein Vertrauen in meine Fähigkeiten.

Und ich bemerke dann um so mehr, dass meine Kolleginnen nicht die Menschen sind, mit denen ich mich gerne und freiwillig umgeben würde. Wir sind halt eine Zweckgemeinschaft. Wir haben nur wenig Themen miteinander, wenig Spaß.

An solchen Tagen komme ich schlecht gelaunt von der „Arbeit“ und pöbel womöglich noch den Lieblingsmann an. Bis ich völlig erschossen auf dem Sofa lande und nach Ablenkung lechze. Denn dieses Nichtstun stresst mich. Sehr. Zumal es in anderen, benachbarten Arbeitsbereichen ganz anders aussieht, wir dort aber nicht helfen sollen. Die Spaltung, die von höchster Stelle betrieben wird, schadet allen, hilft aber, den Status quo zu erhalten. Mitarbeiter, die sich „nicht grün sind“, werden sich auch nicht „zusammenrotten“, wie einer unserer Chefs es mal ausdrückte. Deshalb haben wir auch so eine kleine Küche und keinen Pausenraum. Wegen des Zusammenrottens. Schließlich sind wir wilde Schweine, und wenn so Wildschweine irgendwo einfallen, dann weiß man ja, wie das danach aussieht. Aber ich schweife ab.
Ich wollte ja sagen, wie gut es mir tut, gerade viel zu tun zu haben. Augenblicklich steigt meine Stimmung im Büro. Ich lache sogar wieder. Ich habe aufmunternde Worte für motzende Mitarbeiter. Ich esse weniger (bis auf gelegentliche umfängliche Schokoladentafelvertilungsanfälle, weil morgens kein Brot mehr im Haus war, weil ich nicht zum Einkaufen gekommen bin, aber Schoki, weil die immer da ist), ich schlafe besser. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung, das ist es, was mir gut tut, was mich beflügelt. Und das Gefühl, überhaupt etwas zu tun. Fast hätte ich geschrieben, etwas Sinnvolles zu tun. Oder etwas Nützliches. Obwohl: Es macht schon Sinn. Und es nützt Anderen und auch mir selber. Alles gut also. Frohes Schaffen!

 

 

 

 

 

 

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