Das war wohl nichts, Frau Doktor!

Mal wieder habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört. Ich war so erleichtert, als die Tierärztin sagte, wir könnten den Trichter jetzt ablassen. Der Kater könne auch ruhig raus. Ich war so froh für ihn, dass er wieder die Nase in die kalte feuchte Luft recken könnte, aus dem Teich im Garten trinken und den Vögeln bei ihrem Tagewerk zusehen dürfte.

Aber kaum war der Trichter ab, Sharif einmal durch den Garten gehüpft, war die Wunde auch schon wieder blutig. Ich habe noch im Augenwinkel das Kratzen gesehen, war aber zu langsam. Schließlich musste ich mich unter den Tisch schmeißen, um an ihn ranzukommen.

Also gab es wieder den Trichter um den Hals. Und einen ganzen Nachmittag, Abend und durch die Nacht blieb er auch dran. Was auch nicht zu überhören war, das Kopfschütteln und Anstoßen an Wänden, Fenstern und Gegenständen gehört inzwischen schon fast zur vertrauten Geräuschkulisse. Frühstück gab es um 6.15 Uhr für die Katzen, mit Trichter, und um 6.45 Uhr kam der Kater wieder ins Bett gehüpft. Ohne Trichter!

Ich habe ihn, da er eh schon wieder gekratzt hatte, noch eine Runde in den Garten gelassen und währenddessen den Trichter gesucht. Gefunden habe ich ihn auf einem Stuhl am Esstisch, noch verschlossen. Er scheint ihn dort zwischen Tisch und Stuhl eingeklemmt und sich dann irgendwie rausgewunden zu haben. Einen Tag lang hat er mich im Glauben gelassen, er sei eng genug zugebunden… Also die Wunde desinfiziert und den Kater wieder eingetütet. Eng eingetütet. Noch enger eingetütet. Unter lautem Protest, wilden Verrenkungen,aber zuletzt doch erfolgreich. Und was macht er dann? Legt sich zu mir, Köpfchen in die Höhe, und schnurrt. Hach.

8 Gedanken zu “Das war wohl nichts, Frau Doktor!

  1. Es wird wohl einen Unterschied geben zwischen Freigänger und Wohnungskatzen, was die Motivation angeht, sich dieses Hindernisses zu entledigen, schliesslich verhindert und verfälscht so ein Trichter auch die Sinneswahrnehmungen und die Fluchtbereitschaft, was nach einem Biss, der draussen zugefügt wurde, irgendwie auch verständliicher ist, als nach einer nur gesundheitsbedingten OP.

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    1. Ja, das stimmt sicherlich. Und die überwiegende Zeit ist er erstaunlich „gefügig“, lässt sich das Ding problemlos anlegen, lässt sich stundenlang durchkraulen, ist nicht „beleidigt“. Das ist schon toll zu sehen, dass er da so ein starkes Vertrauen hat zu uns. Und wenn seine Ausflüge nicht mehr so lang werden sollten in Zukunft aufgrund dieser Bisserfahrung, fänd ich das auch gar nicht so schlecht. Der andere unserer Kater bleibt fast immer in unserem oder einem Nachbargarten, aber Sharif dreht anscheinend große Runden, ist oft stundenlang weg und riecht danach wahlweise nach Kamin oder Parfum 😉

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      1. Genau. Wobei er sich wohl selten irgendwo länger aufhält, zumindest sagt die Nachbarin, er würde immer nur eine schnelle Runde durchs Haus drehen. Der Kater meiner Arbeitskollegin legt sich im Sommer gern in die Betten anderer Leute, die das zum Teil gar nicht lustig finden. Sowas hatten wir zum Glück noch nicht. 😉

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