Ich liebe sie

Ich liebe sie, diese Tage, die ich für mich habe. Die sich plötzlich vor mir auftun, unverplant, unverbraucht.

Heute war so ein Tag. Schon der Wecker hat mitgespielt, indem er einfach nicht geweckt hat, mein natürliches Wachwerden dem Lieblingsmann und mir aber trotzdem noch Zeit für einen Kaffee lies, bis ich ihn zum Bahnhof brachte. Und schwupps, schon war er weg, verschluckt von der Masse. Und ich fuhr wieder nach Hause, um den einzigen Programmpunkt für heute abzuarbeiten: Den Vater im Krankenhaus besuchen. Nee, nix Schlimmes, man hat ihm die Beinarterien durchgestoßen, wie er sich ausdrückt. Alles ok, nur, dass er sich einen ganzen Tag nicht aus dem Bett bewegen durfte, noch nichtmal aufrichten, da er nicht in der Leiste abknicken sollte, das hat ihm gar nicht gefallen. Ist ja so laaaangweilig hier, Fernsehn ist zu teuer, die wollen drei Euro neunzig pro Tag, nee, das mach ich nicht, bring mir doch ein Radio mit, wenn du kommst… Das tat sich somit heute morgen, und nach 15 Minuten schmiss er mich schon wieder raus. Das ist seine Spezialität: Erst Druck machen, dass er dies und das braucht, und dann soll man aber ruckzuck wieder verschwinden. Egal, mir war’s recht, denn ich hatte schon zu Hause mein neues Fernglas gegriffen, und bin zur Gruga gefahren. Nee, was ist das da schön, an so einem sonnigen Spätseptembermorgen!

 

In der Freiflughalle lernte ich die beiden dort wohnenden Gänse kennen, die gurrend an dem Reißverschluss meiner Schuhe herumzupften, während ich den Kronenkranichen und Flamingos und Löfflern durchs Fernglas zusah. Hach, das war so entzückend, dass ich sogar vergaß, Fotos zu machen!

Wieder zu Hause schmiss ich erstmal das noch vorhandene Gemüse in die Pfanne und zauberte mir ein schnelles Mahl. Und beim Essen sah ich aus dem Fenster. Und sah ihn: einen Rotmilan! Kann das überhaupt sein? Hier in der Stadt? Mitten im Ruhrgebiet? Ich habe keine Ahnung, aber es sah wirklich so aus durchs Fernglas. Und ich hab ja wirklich keine Ahnung. Noch nicht, sag ich euch, ich lerne fast täglich dazu! Habe heute auch meine ersten Singdrosseln gesehen. Also bewusst gesehen. Und das liegt nur an einem wunderbaren Buch, was ich lese, dessen Titel, Inhalt usw. ich aber nicht verrate, denn ich möchte es noch verschenken 😉

Jedenfalls setzte ich mich nach dem Essen in die Sonne in den Garten und tat  –   nichts. Fast nichts. Ich saß einfach da, spürte die Sonne, kurze Zeit später auch den Kater auf meinem Schoß, die Gedanken trödelten so in mir rum und führten mich mal hier und mal dahin, und es war einfach alles gut. Vielleicht ein bisschen wehmütig. So ein Sitzen und Genießen und Nichtstun erinnert mich immer an die Reha vor über einem Jahr, als die Kirschblüten noch im Baum hingen und ich darunter auf der Liege lag und es einfach nichts zu tun gab. Hach.

Zu Hause ist das deutlich schwerer, das Nichtstun, und so hab ich dann doch ein wenig den Teich ausgealgt (gibt es das Wort?) und das alte Hochbeet weiter enterdet. Damit wir es nächste Woche mal abbauen können. Und dann noch ein wenig im Vogelbuch gelesen und in liebgewordenen Blogs gestöbert und mit den Katzen gespielt. Und schließlich den Mann wieder vom Bahnhof abgeholt, sodass wir jetzt beide auf dem Sofa sitzen, mit unseren Laptops vor uns, bläulich beleuchtet, mit Getränken und Essen versorgt, und die Gemütlichkeit so um sich greift. Ich liebe sie, solche Tage.

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