Noch kein Wort

Noch kein Ton, kein Wort kommt über meine Lippen. Ich bin – und so soll es auch sein – noch immer stumm. Schweige ich? Nicht wirklich. (Kurzer Exkurs zum Thema Schweigen: Die Katholiken kennen das Bußschweigen für Priester immer noch. Herzloses Volk.) Also: Wenn ich etwas Wichtiges mitzuteilen habe, schreibe ich es auf. Zu diesem Zweck führe ich seit gestern ein kleines Büchlein und einen Stift mit mir. (Ich wurde schon darauf hingewiesen, dass als nächste Krankheit wohl die Sehnenscheidenentzündung vor der Tür stünde.) Weil das zeitaufwändig und lästig ist, verkneife ich mir, aufzuschreiben, was ich sonst einfach so in die Welt getönt hätte. Und das ist nicht wenig, wie mir jetzt auffällt!

Besonders mein Lieblingsmann erwirbt zunehmend meine Bewunderung für das, was er sonst aushält mit mir. Es kommt einer verbalen Diarrhö gleich, was in meinem Kopf abgeht. Normalerweise würde er das alles abbekommen, ungefiltert, und er hat sich noch nie beschwert!

Ich kann gut alleine sein. Nein, ernsthaft, das ist jetzt KEIN Scherz, ich kann gut alleine sein, und dann rede ich auch nicht mit mir (höchstens mit den Katzen, aber selten). Aber wenn mir jemand gegenüber sitzt, steht oder liegt, ist die Situation völlig anders. Ich bemerke, dass es mir geradezu peinlich ist, z. B. beim Einkaufen der Kassiererin kein nettes Danke schön oder irgendetwas anderes sagen zu können. Ich bleibe stumm wie ein Fisch und komme mir sehr sehr unhöflich vor. Oder mache hilflose Gesichts- und Mundbewegungen, was aber auch nicht wirklich gut ankommt. Dem Kellner heute im Kaffee bin ich gar aus dem Gesichtsfeld gefallen, so unangenehm (ungewohnt?) schien auch ihm die Situation. Und als ich gestern im Kino der Thekenkraft mein Büchlein mit den Worten „Könnte ich bitte einen Milchkaffee bekommen?“ rüberschob, sprach er besonders laut und deutlich mit mir. Danke, Ohren und auch Augen funktionieren noch ganz leidlich, sonst ginge ich wohl auch nicht ins Kino gerade.

Übrigens habe ich mir „3 Tage in Quiberon“ angeschaut, und der Film hat mich sehr berührt. Marie Bäumer gelingt es, Romy Schneider so stark und gleichzeitig so verletzlich und gebrochen darzustellen, und auch die anderen Charaktere sind differenziert und glaubwürdig, dass ich mittenmang mit dabei war! Schön, dass es solche Filme auch noch gibt. Wenn auch das Thema Alkohol mich wohl immer noch überall hin verfolgt. So war der Film auch mal wieder Warnung für mich, denn den Hang, mir etwas schön zu trinken, habe ich einfach als selbstverständliches Accessoire in die Wiege gelegt bekommen.

So, genug erzählt, ich wünsche einen schönen Abend und gute Gespräche oder friedvolles Schweigen 😉

 

mit G

 

 

 

 

3 Gedanken zu “Noch kein Wort

  1. Gudi

    Ach du Liebe. Es ist mir gar nicht aufgefallen dass du ungefiltert redest. Ich erinnere mich so gerne an die wunderbaren Gespräche die wir geführt und die mir sehr gut getan haben. Und geschwiegen haben wir auch miteinander…. aber das vor allem nachts😂😂

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  2. So ist das mit der Eigen- und der Fremdwarnehmung 😉
    Wenn es nicht um den Lieblingsmann geht, habe ich auch eher Sorge, als zu wortkarg zu erscheinen. Weil ich manchmal so langsam denke und nichts Doofes sagen will. Aber das kennen wir wohl alle.
    Dass ist nachts geschwiegen habe, war nur dem tollem Bett geschuldet, denn das kann auch ganz anders sein, frag mal den Tak! Der trägt echt ein Kreuz mit mir 🙂

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