Einfach mal Klappe halten

Seit Sonntag plagt mich ein tief sitzender Husten, und seit gestern hat sich peu à peu meine Stimme verabschiedet. Nun ist sie seit einigen Stunden gänzlich verschwunden und bei jedem Versuch, einen Ton herauszubringen, spüre ich, wie sich mein Hals verkrampft, so dass ich es lieber lasse und stattdessen Salbeitee schlürfe (von den ständigen Lutschbonbons tut mir schon der Mund weh…).

Aber, und das hätte ich gar nicht gedacht, es fällt mir nicht leicht! Auch wenn ich gerade keine tiefschürfenden Gespräche führen möchte, so bemerke ich doch, wie oft ich Dinge frage, vor mich hin murmele oder Bestätigungen oder Ablehnung brumme. Und wie immer, wenn ich etwas gerade nicht haben kann, entwickelt sich eine fast unbändige Lust dazu, nämlich gerade heute lange Telefonate zu führen. Wen hab ich nicht alles vernachlässigt in den letzten Wochen! Das ist doch komplett verrückt, oder?

So konnte ich auch heute Frau E aus der B-Street gar nichts von meinem Urlaub erzählen, sondern saß brav zwei Reihen hinter ihr bei der Doppeldecker-Stadtrundfahrt, die durch alle Essener Baustellen fuhr, die es zur Zeit gibt, während die Sonne von oben knallte und der monotone Sprecherklang vom Band mich sanft fast in einen Traum schaukelte. Wenn mir nicht ständig ein leerer Eisbecher gegen den Fuß gerollt wäre.

Gibt es eigentlich auch interessante Stadtrundfahrten, bei denen man mehr als …vergleiche (das größte … in NRW, die größte .. in Deutschland, die erste, zweite, dritte weltweit) und Plattitüden (die Essener im Norden verstehen sich mehr als Westfalen und essen …, die im Süden …getoppt vom Song „Currywurst“ von Grönemeyer) erfährt? Ja, und dass die Villa Hügel mit ihren über 269 Zimmern trotzdem im Essener Grundbuch als Einfamilienhaus mit Garten eingetragen ist, ist lustig, aber wenn man einmal drüber geschmunzelt hat, dann ist auch gut. Oder?? Bin ich wieder zu ungnädig?

Im Kopf des Lieblingsmannes entwickelte sich direkt so eine Art guter Cop-böser Cop-Führung nach dem Motto „Zu Ihrer Rechten sehen Sie ein Beispiel für Essens völlig misslungene Stadtplanung, demzufolge wir nun etwa 20 Minuten hier im Stau schmoren müssen“, was dann umgehend vom guten Cop durch heitere Geschichten rund um Essener Originale wieder überbrückt wird. Aber vielleicht will das auch niemand hören und ich bin nur zu blöd, mir all die Zahlen zu merken, die uns da heute um die Ohren sausten. Egal.

Gestern bin ich übrigens VW-Bus gefahren! Ich! Ein „fremdes“ Auto (naja, vom Vater), aber ich hasse das ja, eigentlich, aus ungeklärten Gründen, ein anderes Auto zu fahren als mein eigenes. Aber es hat voll Spaß gemacht! Natürlich war auf unserer kurzen Niederrhein-Tour alles drin, Stadt, Autobahn, Stau, enge Dorfstraßen mit Schützenfest und entgegenkommenden Bussen, aber es hat alles richtig Spaß gemacht! Vielleicht ist der Bus ja doch mal was für mich, irgendwann, wenn ich nur noch weg will, um einigermaßen autark ein paar Tage und Nächte verbringen zu können.

Bis dahin sollte ich aber vielleicht gelernt haben, einfach mal die Klappe zu halten, sonst geh ich noch als die seltsame Alte mit dem VW-Bus und den Selbstgesprächen in die Stadtgeschichte ein…

2 Gedanken zu “Einfach mal Klappe halten

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