Ideenlose Freizeitidiotin

Ich war schon schräg, als ich heute morgen wach wurde. Ich dachte, es sei Samstag, ich müsse schnell aus dem Bett und noch ein paar Sachen besorgen… aber nein. Es ist erst Freitag. Und Feiertag noch dazu.

Wir haben nichts vor. Naja. Zu tun gibt es ja genug. Das Wetter ist trübe, also erstmal lange frühstücken. Unruhe ergreift mich. Es gäbe noch so viel zu tun… kann ich nicht schonmal? Sollen wir nicht? Ja, ok, machen wir.

Wir gehen in die Gartenhütte und versuchen, die vom Wasserschaden noch abgerückte Spüle wieder zusammenzubauen und hinzustellen. Nicht so einfach bei dem Chaos dort und der Enge. Außerdem Kühlschrank auswaschen und anmachen und ebenfalls einpassen. Dann könnten wir doch jetzt auch das Wasser wieder aufdrehen? Der Lieblingsmann schaut schon genervt. Alles in diesem Haus muss immer sofort gemacht werden, das kann er nicht verstehen. Ich weiß das, und gedulde mich kurz, zumal die Sonne plötzlich scheint. Auflagen raus und kurze Rast. Drüben die Nachbarn haben Besuch, Kinderrufe und Gelächter schallt rüber. Feiertag eben. Aber schnell hab ich genug vom Rumsitzen. Wenn jetzt noch das Wasser… ? Ich gehe also in Vaters Keller, während der Lieblingsmann das neue Heißwassergerät überwacht, und versuche mit aller Kraft den Hahn aufzudrehen: Nichts geschieht. Der Lieblingsmann weiß, dass jetzt er an der Reihe ist, aber er muss dazu in einem winzigen, verdreckten Keller auf einem Stuhl balancierend den Hahn oben in einer Raumecke aufdrehen. Er ist total begeistert. Als er mein Gesicht sieht, nachdem er Rückmeldung gibt, dass der Hahn nur mit einer Rohrzange zu öffnen sei, er aber eine aus unserem Keller hohlen müsste (was so viel heißt wie: Sollen wir es nicht für heute gut sein lassen?), also als er mein Gesicht sieht, geht er umgehend in den Keller und holt die Rohrzange. Ich bin so dankbar. Und: Wasser marsch, es funktioniert!

Leider tropft es von irgendwo aus dem Gerät. Ich kann ihm damit nicht auch noch kommen, ich weiß das. Ich bin still, setzte mich, warte auf den Vater. Der ist eher wie ich gestrickt und muss sich sofort um alles kümmern. Außerdem hat er das Gerät zusammengebaut und aufgehängt, da hat er eh einen Wissensvorsprung. Es dauert auch nicht lange, da erscheint er. Schnell ist auch klar, wo der Fehler liegen muss, das Gerät wieder abmontiert, und dann stehen wir ratlos vor einer Quetschmuffe mit mehreren Teilen. Wie gehören die denn jetzt?

Der Lieblingsmann greift wieder ein. Warum? Keine Ahnung. Jedenfalls will er unbedingt in Ruhe alleine die Bedienungsanleitung lesen, aber über die Quetschmuffe steht nichts drin, das hatte ich schon geguckt. Ich schlage vor, Dr. Google zu bemühen, aber niemand hört auf mich. Derweil brüllen sich die beiden Herren ein wenig an, der eine, weil er befürchtet, der andere mache dieselben Fehler wie er, der andere, weil er ja nicht schwerhörig sei (und auch bei Lärm schlecht denken kann, wenn ich das anmerken darf). Ich finde Bilder von Quetschmuffen, und siehe da, die Teile sind immer in derselben Reihenfolge abgebildet, sollten wir es nicht genau so mal versuchen? Langsam nimmt alles Formen an, und nach einigem Hin und Her ist es tatsächlich vollbracht: Das Gerät hängt und nichts tropft mehr. Suuuuper!

Ich ziehe ab in den Garten, zupfe hier und da, die Männer verschwinden jeweils in das ihrige Haus.

Feiertage im Hummelhaus. So oder ähnlich laufen sie oft ab, wenn wir nicht durch Besuch gezwungen werden, (oder sollte ich schreiben, wenn ICH nicht durch Besuch gezwungen werde?) mit dem Hintern auf dem Stuhl zu bleiben und nichts zu tun. Für mich alleine fühlt es sich gut an, dieses Werkeln, aber mit dem Lieblingsmann zusammen könnte ich doch eigentlich schönere Dinge tun, oder? Ich hab aber einfach keine Idee! Zumindest keine, zu der ich auch Lust habe. Ich bin eine ideenlose Freizeitidiotin. Ich kann keine Freizeit. Für mich ist aber auch das Freizeit, Dinge tun zu können, zu denen ich sonst nicht komme. Oder zu denen ich mich sonst zwingen müsste. Aber in eine Beziehung zieht man den Anderen ja unvermeidbar mit in diesen Strudel. Und wenn der nun ganz anders ist als man selbst, kann das schon mal anstrengend werden.

Wenn ich alleine bin, kann ich übrigens stundenlang nichts tun. Löcher in die Luft starren. Beobachten. Musik hören. Faulenzen. Oder vielleicht merk ich dann nur nicht, was ich zwischendrin tue? Könnte auch sein. Weil es mich selbst ja nicht stört.

Gut, dass wir morgen Besuch bekommen!

Schöne Ostertage!

Ein Gedanke zu “Ideenlose Freizeitidiotin

  1. gudi

    Liebe Hummel,

    beim Lesen werde ich selber schon ganz bruselig ….. 🙂

    Ich habe gelernt, obwohl jemand um mich herumwuselt, ganz entspannt sitzen zu bleiben. Auch das ist eine Kunst, aber auch nicht einfach!

    Entspannt und ruhig
    Gudi

    Liken

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