Manchmal schaut er so streng

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Manchmal schaut er so strengt, als wolle er mir Vorwürfe machen.
Er ist mein schlechtes Gewissen.

Hat er gesehen, dass ich heute wieder mal über die Strenge geschlagen habe? Ich habe ausgiebig gefrühstückt und mittags Thunfischsalat gegessen. Und nebenbei noch eine ganze Tüte Lachgummis, diverse Plätzchen, Waffeln bei der Freundin, ich trinke gerade das zweite Glas Rotwein und bin schon fast auf dem Sprung, um mir noch Käse aus dem Kühlschrank zu holen.

Immer wieder gibt es diese Tage. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum.
Ich habe angefangen zu häkeln, um etwas in den Händen zu haben, was ich nicht in den Mund stecke, aber völlig gedankenverloren lege ich es weg, um mir irgendwas Essbares in den Mund zu schieben.

Vielleicht schaut er auch so, weil er es nicht leiden kann, dieses Gehäkel. Dann kann ich ihn nämlich nicht streicheln. Und wenn er auf meinem Schoß liegen will, angelt er ständig nach dem Faden, so dass ich ihn nach einiger Zeit genervt runterschiebe. Also springt er auf das Wollknäuel, oder in die Tüte mit dem Wollknäuel, und auch dieses Spiel verderbe ich ihm. Ja, ok, er DARF also auch so gucken. Beleidigt. Streng.

Im Übrigen gucke ich gerade genauso. Nur in Farbe.

Ich habe Plätzchen gebacken. Schon wieder. Ich habe keine Ahnung, wer die alle essen soll (ICH jedenfalls AUF KEINEN FALL !), heute zwei Sorten, und wie immer misslingt eine Sorte. Das ist irgendwie gerade Gesetz. Ich habe Rosinenstangen gemacht. Wie schon früher. Diesmal aber sind es Rosinenfladen geworden, total zerlaufen, und man darf sie kaum berühren, schon zerfallen sie in 1000 Teile. Warum nur? Was ist anders? Habe ich irgendeine Zutat vergessen? Ich weiß es nicht. Die 1000 Teile schmecken super, sind aber irgendwie unpraktisch zu essen. Und da die Walnussschnitten aus der letzten Backaktion schon zu Bröseln zerfallen waren (ok, da war das Backpapier gerissen und sie landeten auf der Backofentür) habe ich genug Brösel, die ich in Nachspeisen verarbeiten kann. Aber wer soll den ganzen Nachtisch essen? ICH jedenfalls AUF KEINEN FALL!

Da ist es schon gut, dass der Lieblingsmann am Mittwoch wieder einfährt. Also hier nach Hause kommt. Trautes Heim mit Bröseln fein. Hach, ich freu mich!
Also nicht nur, um die Brösel loszuwerden. Nee, wirklich, ich freu mich jetzt total, dass er bald wieder da ist. Fünf Wochen sind dann um. Fünf Wochen ohne ein Wort morgens. Inzwischen rede ich häufiger mit den Katzen als früher. Einfach, um mal meine Stimme zu testen. Auch fünf Wochen ohne lautes Lachen am Abend. Das vermisse ich besonders. Die warme Heiterkeit, die du oft versprühst, die meine Schwächen und Laster so liebevoll beleuchtet, dass ich mich selbst ein bisschen sehen kann wie du mich, die meinen inneren Kritiker zum Lachen bringt, und dann ist alles halb so schlimm. Ja, aus so völlig egoistischen Motiven heraus vermisse ich dich.

Natürlich frage ich mich auch, wen ich da zurückbekomme. Was sich verändert hat für dich, und was sich damit für uns verändert. Aber es ist kein ängstliches Erwarten. Ich weiß um unseren Wunsch auf Zukunft. Und das trägt.

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