Der Mann ist fort – Tag 1

Ja, seit heute ist er fort, für mindestens vier Wochen, und er hat mir versprochen, in der Zeit hier nicht zu lesen, damit ich mir alles von der Seele schreiben kann, ohne ihn zu belasten. Ich weiß nicht so recht, ob ich ihm traue, aber gut, das ist dann seine Verantwortung. Und, nein, so rüde, wie sich das anhört, bin ich gar nicht…

Ich war schon ziemlich dünnhäutig heute Morgen, musste ihn ständig anpacken, um zu prüfen, ob er WIRKLICH noch da ist. Aber ich wünsche ihm von Herzen, dass er eine gute Zeit hat, und daher hab ich ihn irgendwann auch wieder losgelassen – und er ist gefahren.

Im gleichen Augenblick klickte bei mir der Schalter um auf SELBSTVERSORGERMODUS oder so was in der Art. Zuerst mal das Notwendige gemacht: Rolladen bei der Nachbarin hoch gezogen, Dusche geputzt, Gardinen abgenommen und in die Waschmaschine gesteckt. Dann zum Frisör, danach neue Klobürsten gekauft. Ja, profan, ich weiß, aber mal notwendig. Laub gefegt und in Säcke gepackt. Mit der Freundin aus dem Sauerland getippert.

Auftritt der Vater: „Seid ich wieder die Tabletten nehme (Anm.: gegen Schmerzen in den Beinen, ergänzt durch Bluthochdruck und Wasser bekämpfende Tabletten und aktuell Antibiotika wegen Husten), also: seid ich wieder die Tabletten nehme, hab ich so ein komisches Gefühl am Kopf!“ Aha. Könntest du das noch ein bisschen genauer beschreiben? Er schaut mich verwirrt an, greift sich an den linken Hinterkopf in die Haare. „Hier so, da fühlt es sich so leer an.“ Leer? Ich unterdrücke nur mühsam mein aufsteigendes Lachen. Was meinst du damit? – Er schaut mich böse an, rauscht raus und vergisst nicht, die Tür zu knallen. Tja. So ist er.

Ich will Bewegung, laufe zur Praxis und mache dort schon mal den Heizlüfter an für später. Außerdem tun mir Luft und Bewegung gut. Dann schreibe ich Emails, habe schließlich Hunger und esse die beiden Reststücke Pizza von gestern. Bügle die Gardinen trocken und hänge sie wieder auf. Es ist erst halb 3. Wieso vergeht der Tag so langsam? Ich lese ein wenig im Internet, danach begebe ich mich wieder in die Praxis, 16.00 Uhr Termin. Leider kommt die Patientin nicht. Nach angemessener Wartezeit und 23 Hin- und Her-SMS mit dem Schiegervater, der mich unbedingt in ein Musical mitschleppen will (HELP, Universum, wie komme ich da raus?? Er versteht das Wort NEIN nicht, meint, es heißt: Schlag mir nur was Anders vor, dann lass ich mich überreden… ) gehe ich wieder nach Hause und fange an zu kochen, um morgen etwas mit zur Arbeit nehmen zu können. Denn mein Vorsatz ist: gesunder essen. Mittendrin läutet das Handy: Die Patientin. Es war ein Missverständnis, sie hatte 18.00 Uhr notiert. Wir einigen uns auf 18.15 Uhr und ich mache mich wieder auf zur Praxis. Gut, dass der Weg nicht weit ist. Schließlich bin ich um kurz nach 20.00 Uhr zu Hause, mache die Rolladen bei der Nachbarin runter, versorge die Katzen, öffne Briefe, die für den Mann gekommen sind und telefoniere kurz mit ihm, esse noch einen Happen und schwupps – es ist kurz vor 10. Gleich Schlafenszeit. Nu ging der Tag doch noch schnell um.

Die Katzen liegen nicht auf dem Sofa rum, wie die ganze Woche, sondern laufen durch den Garten. Wahrscheinlich suchen sie den Mann. Der muss doch irgendwo sein, „sie“ ist ja auch da, sehe ich förmlich Simbas Gedanken. Schließlich ist der Mann nicht nur mein Lieblingsmann, sondern auch seiner. Weil er ihn rumträgt. Auf den Tisch hebt. Ins Bett bringt.

Ich geh dann mal jetzt in den Garten, den Kater suchen. Und dann nehme ich ihn mit hoch. Zum Kuscheln. Gute Nacht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s