Traum

Im Traum passiert so Vieles gleichzeitig. Ich bin gleichzeitig auf einem Klassentreffen und in einem Krankenhaus. Drinnen die Kranken, draußen Tische und Stühle mit Getränken und Essen, Menschen, von denen ich weiß dass ich sie nicht kenne, die mir aber trotzdem bekannt sind. Christian ist auch da, es ist sein Klassentreffen. Trotzdem kenne ich ein paar Mädels, wir gehen herzlich miteinander um.

Drinnen, in einem großen Saal, liegt in der Mitte auf einer schmalen Pritsche – meine Mutter! Sie ist bereits krank, aber nimmt noch meine Hand, drückt sie und strahlt mich an mit diesem Lachen, das sie nur während ihrer Krankheit hatte. Dieses innere Leuchten, diese totale Freude, mich zu sehen, diese Wärme, sie nimmt mir fast den Atem. Ich bin noch immer ganz angefüllt davon, seit diese Szene mir vorhin wieder einfiel. Beim Autofahren. Plötzlich war die Erinnerung daran da. Und seitdem ist sie jederzeit abrufbar, das Gefühl wieder spürbar.

Vor etwa zwei Wochen habe ich einen Artikel gelesen über Klarträume. Das wäre wunderbar, wenn ich das könnte. Obwohl natürlich so ein Traum auch keine Fragen beantwortet, sondern nur die Antworten geben kann, die eh schon in mir sind.

Fragte ich meine Mutter, warum sie erst in ihrer Demenz diese grenzenlose Freude gefühlt hat, so bekäme ich nur meine Antwort, nicht ihre. Dabei wüsste ich ihre Antwort nur zu gerne! Vielleicht würde sie sagen, dass sie diese Freude schon immer empfunden hat, nur nicht so äußern konnte. Oder dass sie sich einfach früher nicht so freuen konnte, weil ihr Alltag so belastet und anstrengend war. Oder dass sie sich über mich nicht so freuen konnte, weil ich ständig auf kontra gebürstet war. Oder sie sich unsicher war. Oder sie diese Freude anderen gezeigt hat und ich das einfach nicht bekommen habe.
Das ist das Endgültige am Tod, dass wir keine Antworten mehr bekommen, nur noch Vermutungen anstellen können.

Was macht eigentlich der MUT in VerMUTung?
Mutig einem Gedanken ins Gesichts sehen, von dem wir nicht wissen, ob er wahr ist?

 

 

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