Nichts erlebt? Ha!

Wenn ich so über die letzten Tage und Wochen nachdenke, habe ich den Eindruck, ich habe nichts erlebt! Ich weiß, dass das nicht stimmt. Es ist ein Effekt, der immer dann einsetzt, wenn es mir zu viel wird. Zu viel Arbeit zum Beispiel.

Seit irgendwann im August habe ich nun „durchgearbeitet“, also das Pensum gehabt, was ich jahrelang hatte und Otto Normalverbraucher sowieso: zwischen 40 und 50 Wochenstunden. Aber ich habe normalerweise jetzt nur noch 32 h, also nur vier Tage, an denen ich für meine Verhältnisse jämmerlich früh raus muss, um nicht in den Stau zu kommen, mich dann nur abends in den Stau stelle und überdies meine, früh ins Bett zu müssen, um am nächsten Tag fit zu sein. Mit einer Unterbrechung in der Mitte der Woche lebe ich jedenfalls deutlich entspannter. Obwohl der Mittwoch auch Arbeitstag ist, so aber doch Arbeit, die ich mir selber ausgesucht habe, die mir Spaß macht. Oder, wie morgen, Zahnarzt. Okey, das finde ich auch nicht so prickelnd, aber selbst da ist es besser, mich danach auf dem Sofa einzurollen (Katze und Selbstmitleid inklusive) als ins Büro zu fahren und dank Betäubung eh nur unverständlich in den Hörer zu nuscheln.

Wie so oft, wenn mir irgendwas zu viel ist, merke ich das auch daran, dass ich anfange, unkonzentriert – und das heißt unkonzentrierter als sonst 😉 – durch die Gegend zu laufen und vor allem zu fahren. Sprich: Mein kleines Auto muss darunter leider.

Einmal habe ich auf einem Kundenparkplatz ein anderes Auto gerammt, obwohl ich einfach nur um die Ecke gefahren bin, vorwärts!
Ein anderes Mal habe ich beim Ausparken aus einer Riesen-Lücke das Auto unseres Biometzgers vor mir touchiert, keine Ahnung wie, ich habe es nur gehört!

Letztes Jahr habe ich die Einfahrt zum Büroparkplatz nicht richtig getroffen und mir die Beifahrertür und die hintere Tür so verkratzt, dass mein Lieblingsmann mir neue Türen besorgt hat, die zwar auch noch verkratzt sind, aber trotzdem deutlich besser als vorher aussehen.

Und dieses Jahr, ja, da hab ich nun letztlich vergessen, dass ich vor dem Hummelhaus immer den Gang einlegen und die Handbremse anziehen sollte, wenn ich parke. Ein wenig abgelenkt von der Haustürschlüsselsuche in meiner Tasche sah ich noch aus dem Augenwinkel mein Autochen an mir vorbeirollen, also ich auch schon rettend in den Wagen sprang, um mich nach erfolgreichem Kopfstoßen auf die Handbremse zu werfen. Aber leider leider war die Fahrertür da ja offen, und die blieb zuerst an der Mülltonne und dann mitsamt Mülltonne an unserer Linde hängen und bog sich unter lautem Getöse komplett in Richtung Motorhaube. Zu späääääät. Ääääääätsch!

Schön hier „inne Siedlung“ ist ja, dass man quasi nie allein ist! Es dauerte nur einen Sekundenbruchteil, da kam auch schon der Vater aus dem Nachbarhaus, um sich die Sache anzusehen.

Ja, geht nicht mehr zu, ne?
Ja.

Ist aber doof ne, soll regnen!

Ja.

Aber wenne mit Gewalt machst, ist der Kotflügel auch noch hinne!

Hm.

Warte, ich hol n Hammer.

(Stummes, innerliches Aufstöhnen)

Eine Minute später klopft mein Vater beherzt auf meine Tür ein, bis sie zu ist. Und auch nicht mehr aufgeht. Aber immerhin. Es hat so gut funktioniert, dass der Lieblingsmann, der nur die Nachricht von mir bekam „Ich hab mir gerade die Tür abgefahren“, was ja zugegebenermaßen etwas übertrieben war, sich aber in meinen Ohren an dem Abend gut anfühlte, hinter mir parkte und erst gar nichts sah. War aber auch schon dunkel. Am nächsten Morgen ist er dann, wundervollerweise, direkt in Sachen Türersatz unterwegs gewesen. Und dank unseres völlig übertriebenen Fuhrparks mangelte es mir auch nicht an fahrbarem Ersatz. Nix mit Strafe muss sein und so. Nee, komfortabel mit Sitzheizung durch die enge Einfahrt ins Büro und zurück. Eine ganze Woche.

Und als mein kleiner Flitzer nun mit neuer Tür, die haargenau so aussieht wie die alte (nur anders riecht, nämlich nach Kleber), wieder zur Verfügung stand, hatte ich mich schon fast entwöhnt von ihm. Aber wir haben uns inzwischen wieder angefreundet. Fehlt jetzt noch die hintere fahrerseitige Tür, die könnte auch noch ausgewechselt werden, irgendwann mal, wenn gerade wieder irgendwas zu viel ist und ich nichts erlebe…

 

 

 

2 Gedanken zu “Nichts erlebt? Ha!

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