Herbst-Experiment

Ist es der Herbst, der mich so müde macht? Ist es die Dunkelheit morgens und schon früh am Abend, die meine innere Uhr beeinflusst und mich an Sofa und Tee denken lässt, sobald ich zu Hause bin?

Am Wochenende habe ich eine Dokumentation über eine Familie ohne Stromanschluss gesehen. Die gingen auch im Winter früh ins Bett, weil sie schlicht müde waren. Und auch nicht mehr viel tun konnten im Dunkeln, ok.
Wir aber leuchten an gegen die Dunkelheit, immer mehr, immer stärker. Bei Dunkelheit sehen die Einkaufscenter in den Städten aus wie Paläste, hell erleuchtet, glitzernd, bunt und voller Betriebsamkeit. Bürogebäude werden mit ausgeklügelten Lichtinstallationen angestrahlt oder leuchten von innen Muster in die Dunkelheit.
Es wird nicht mehr lange dauern, und die Nachbarschaft wird mit jährlich greller scheinenden Dekorationen dem hoffentlich friedvollen Weihnachtsfest entgegenleuchten. Suchscheinwerfer für Engelwesen? Es ist wie ein Wettbewerb, je größer, heller, blinkender, desto … ja was? Desto größer die innere Dunkelheit?

Wenn ich abends durch die Straßen der Siedlung laufe, gibts vor jedem Haus ein Licht, elektrisch oder tatsächlich als Windlicht mit Kerze. Überall rufe mir diese Türen zu: Komm her, tritt ein, ich bin schon da, du bist hier willkommen, ich freue mich auf dich! (Das jedenfalls denke ich, wenn ich abends die Kerze anzünde, wenn der Lieblingsmann noch nicht zu Hause ist und ich ihn erst spät zurück erwarte, womöglich selber dann schon schlafe.)Was aber würde geschehen, wenn ich spontan an solch eine beleuchtete Tür klopfte? Wäre es eine Ungeheuerlichkeit, weil ich uneingeladen in privaten Raum eindringen wollte? Würde ich abgestempelt als die Irre von nebenan? Verwirrt? Dement? Oder würde mit der Zeit ein lustiger Austausch zwischen den Nachbarn entstehen?

Nein, das ganze Licht soll nur dazu dienen, dem Winterblues vorzubeugen, oder gar der Winterdepression! Ach so. Ach ja. Dass die mich erwischen kann, wenn ich tatsächlich zu wenig Zeit im Tageslicht verbringe, und meinen Arbeitgeber Sonnenauf- und –untergangszeiten nunmal so gar nicht interessieren, darüber habe ich mich schon oft genug beklagt.
Dass mir die Zeit jeden März und Oktober verstellt wird, und ich das so einfach mitmachen muss, ist auch schlimm.
Dass ich jetzt beim Schreiben den Faden verloren habe, ist aber noch viel schlimmer! (Ich hänge gedanklich noch an fremden Nachbarstüren fest und schaue, was passiert… ) Wo wollte ich hin? Ach ja.
Ich habe mir vorgenommen, diesen Herbst bewusst zu erleben und mal öfter kein Licht anzumachen, oder wenig Licht (ich will mir ja nicht wieder die Haxen brechen) und zu sehen (?), was das tatsächlich mit mir macht. Und ob es etwas mit mir macht. Vielleicht wird es das verschlafenste Jahresende meiner Zeitenrechnung, weil ich abends um 7 schon im Tiefschlaf bin, wer weiß? Ein Experiment. Ich werde berichten.

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