Un-Mut am freien Tag

So ist es immer. Da habe ich gestern überraschend für heute frei bekommen, mir einen Knubbel an den Bauch gefreut, und jetzt sitze ich hier und weiß nichts anzufangen mit dem Tag. Zu überraschend. Zu schnell. Zu kurzfristig.

Es ist ja nicht so, dass ich noch gar nichts getan hätte, nein, nachdem ich den Mann verabschiedet hatte, oder, wenn ich ehrlich bin, auch schon ein bisschen vorher, hatte ich schon den Lappen in der Hand und war den offensichtlichsten Dreckstellen zu Leibe gerückt: der Katzenklappe, der Gartentür, dem „Evelin“-Bad. Es ist jetzt 10 nach 9 und ich habe schon so geputzt, dass die Lappen in der Waschmaschine auf frisches Wasser warten. Hallo? Ich habe einen FREIEN Tag! Carpe diem!

Tja, aber wie? Ich könnte mal meine Kochrezepte sortieren. Aufregend! Oder gar Kochbücher aussortieren…. Hach, auf Trennungsschmerz hab ich aber gar keine Lust.

Ich könnte mich nett in ein Cafe setzen! Ja, aber ich hab schon zwei große Tassen Kaffee intus, das reicht.

Ins schwedische Möbelhaus? Nach einem neuen Abfalleimer schauen? Geld ausgeben möchte ich aber auch ungern.

Spazieren gehen? Im Garten arbeiten? Lesen? Sport machen? Schwimmen gehen?

Ich weiß, es gibt 1001 Möglichkeiten, aber nicht eine erscheint mir auch nur annähernd verlockend. Und ich weiß jetzt schon, heute Abend, wenn der Tag so gut wie vorbei ist, dann fallen mir 1002 Möglichkeiten ein, die ich heute gerne getan hätte.

Bis dahin sollte ich vielleicht einfach hier sitze bleiben, blöd rausschauen und die Gedanken fließen lassen. Ist es nicht das, was ich mir oft wünsche? Einfach nur da sein und wahrnehmen, was gerade ist. Um mich rum und in mir. Welcher Aufruhr. Einen ganzen Strauss Möglichkeiten zur Verfügung zu haben und keine davon ergreifen müssen.

Statt dessen mir selbst begegnen. Ohne Internet, ohne Musik, ohne Tun. Nur hier sitzen. Nur mich selbst beobachten, spüren. Mutig sein. Das mach ich jetzt. Vielleicht eine Stunde lang. Für den Anfang. Ich üb ja noch.

4 Gedanken zu “Un-Mut am freien Tag

  1. Das kenne ich dermassen gut … dieses orientierungslose Herumdrehen am ersten freien Tag. Bin ich glücklicher, weil ich heute morgen doch arbeiten bin? Nein, nur fremdbestimmter und noch mehr aus meiner Mitte, weg von meinen Bedürfnissen.

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