Midlife-Crisis und Auflösungserscheinungen – einfach mal so angedacht

Wie hoch ist der Anteil der Paare, die länger als 10 Jahre „Beziehung leben“ und sich noch austauschen darüber, was Liebe für sie ist, was ihnen wichtig ist, was sich geändert hat im Laufe der Zeit?
Sind die, die sich in einiger Regelmäßigkeit von ihren jeweiligen Partnern trennen, die nachdenklicheren Menschen? Die, die mehr in Frage stellen? Die näher an sich selbst und ihren Gefühlen sind?

Welche sind die glücklicheren Menschen?

Warum ist es so schwer, dem Partner nach zehn oder mehr Jahren „plötzlich“ zu sagen, du, das und das hat mich früher nicht so gestört, aber könntest du bitte, vielleicht, nicht mehr das oder das tun oder nicht tun? Ich wünsche mir so sehr, dass …
Ab wann entsteht dieses „plötzliche“ Gefühl? Wenn ich vier Wochen nichts gesagt habe, 6 Monate oder erst nach 8 Jahren? Oder überstehen wir die ersten Jahre, doch dann werden die Lücken des Austauschs immer länger, weil der Alltag (un)verhältnismäßig mehr Raum einnimmt?

Wann ist die Zeit reif, sich neu zu sortieren, die Liebe zu hinterfühlen, die Wünsche, die noch da sind, zu sondieren, neue Perspektiven zu entdecken?

Kommen wir alle unweigerlich einmal an diesen Punkt, wo sich Vertrautes aufzulösen scheint?

Ich denke ja. Wenn wir nicht durch den Partner, die Freundin, den Freund darauf gestoßen werden, dann durch Krankheit, Arbeitslosigkeit, Todesfälle oder sonstige sogenannte Schicksalsschläge. Für den überwiegenden Teil von uns scheint es dazuzugehören zum Leben, irgendwann erwischt es uns.
Manche nennen es Midlife-Crisis, Ego-Trip oder Selbstverwirklichungs-/Sinn-Krise. Ich glaube nicht, dass es eine Krise ist (auch wenn es sich durchaus so anfühlt), eher schon eine Reise. Eine Reise zum eigenen Selbst, die nichts damit zu tun hat, die Menschen, die um uns sind, auszuschließen, sondern die auf Integration ausgelegt ist. Auf tatsächliches Ankommen in dieser Welt. Auf das Spüren von Fülle. Wir wollen diese Welt nicht nur gestalten, sondern uns als Teil davon empfinden können, wollen Verschmelzung und Extase.

Das Seltsame ist, dass es ganz vielen Menschen so ergeht, wir uns untereinander aber wenig austauschen darüber. Oder täusche ich mich da?
Das, was uns wirklich umtreibt, ist oft kein Gegenstand für gesellige Runden, sondern wird höchstens im „kleinen Kreis“ besprochen. (Besprochen – wie eine Warze, die vom Besprechen weggehen soll?) Aber das, was uns selbst betrifft, werden wir nicht los. Es taucht immer wieder auf und viele von uns kennen das. Dennoch hinterlässt es oft Hilfslosigkeit beim Gegenüber, wenn wir es ansprechen, obwohl es doch klar ist, dass wir keine Lösung erwarten. Lediglich ein Zuhören wäre schön.

Ich wünsche uns allen einen Menschen, der zuhört, wenn die eigenen Emotionen große Wellen schlagen und uns zu überrollen drohen.

Oder auch, wenn die Gedanken noch roh und weich sind, noch diffus, so wie bei mir gerade, und doch schon ausgesprochen. Das Zuhören ist eine große Kraft.

Und vielleicht ist das Zuhören ohne zu bewerten auch ein Ausdruck der Liebe.

 

 

3 Gedanken zu “Midlife-Crisis und Auflösungserscheinungen – einfach mal so angedacht

  1. Gudi

    Liebe Hummel,

    du hast das, was so viele Menschen denken, in unglaublich schöne Worte gefasst.

    Ich wünsche dir, dass du den richtigen „Gegenüber“ hast!

    Eine herzliche Umarmung
    Gudrun

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