Die rote Lampe

Seit einigen Wochen existiert bei uns eine rote Lampe. Nicht wirklich rot, eher mehrfarbig mit viel rot, aber alt, klein und mit Glasscheiben an den Seiten, so ein Tischlämpchen. Natürlich vom Schwiegervater an den Sohn übergegangen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich grundsätzlich mit Lampen meines Schwiegervatersohnes Schwierigkeiten habe und sie gerne mal in unbedachten Momenten kaputtmache. Nicht absichtlich, wirklich nicht, aber wiederholt.

Diese Lampe aber, sie vereint in sich alles, was ich hasse. Sie wackelt. Sie steht im Weg. Sie gibt kein Licht, sondern verwandelt unser Wohnzimmer in eine rote Puffzone. Sie sorgt dafür, dass der von mir geliebte Sessel, weil das Kabel der Lampe so kurz ist und überhaupt der Mann die Lampe so schöner findet, völlig unorganisch im Raum rumsteht.

Diese Lampe ist ein völlig überflüssiges, nichts erhellendes Stück in unserer ohnehin vollgestopften Butze.

Ich habe ihm, dem Mann, schon angedroht, dass ich, wenn er mich denn zwecks Rehabilitation in Kürze für ein paar Wochen verlässt, diese Lampe in den Keller sperren und wieder die einfache Ikea-Stehlampe an ihrer statt aufstellen werde. Auch, um der drohenden Winterdepression vorzubeugen und mich mit Licht zu umgeben, da die Abende ja schon deutlich dunkler werden. Jaaa, werden sie, seht ihr das denn nicht? Ich sitze bereits seit einer geschlagenen Stunde im rot-orangen Funzellicht. Es hat denselben Effekt wie dieses seltsam bläuliche Licht in der örtlichen Buchhandelskette, dass bewirke soll, dass man seine Adern nicht mehr erkennt, mir aber so ein seltsam entrücktes Gefühl beschert und das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein. Ich werde ganz blutleer bei diesem Nicht-Licht und entwickele spontane Fluchtgedanken.
Vielleicht erinnert es den Mann ja auch an eine Dunkelkammerleuchte und damit an vergangene Tage? Jedenfalls ist er schon besorgt um den Zustand der Lampe, wenn er sie nicht beaufsichtigen kann. Wir haben uns geeinigt, dass er sie eigenhändig und sich im Keller verstaut, bevor er aufbricht zu seiner Reise. Damit ich ihr kein Leid antue. Völlig unbeabsichtigt. Schade eigentlich.

4 Gedanken zu “Die rote Lampe

  1. Gudi

    Bei uns daheim ist es ein Sessel, ebenfalls rot, ein Fernsehsessel. Immer schon das Lieblingsmöbel meines Mannes beim mütterlichen Besuch im Seniorenheim. Er legte sich rein, entschlummerte und überließ Frau und Mutter das Gespräch….
    Das gute Stück musste dann beim Auflösen des Zimmers mit. Das Auto weitete sich in alle Richtungen, damit das Teil reinpasste ohne Schaden zu nehmen, alle Möbel machten hoheitsvoll Platz und man sitzt und schläft königlich…. nur wirklich passen tut er nicht, aber was tut man nicht alles….. in liebevollem Gedenken an die beste Schwiegermutter die ich hatte❤😋😍

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    1. Und was soll ich sagen? Der Mann hat sich erweichen lassen und die Lampe umgestellt! Und da, wo sie jetzt steht, in der Fensterbank zum Garten, da macht sie auch ein viel schöneres Licht und leuchtet auch tagsüber ganz nett mit ihrem bunten Glas.
      Guck ma an, Bloggen bewegt die Welt! 😉

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