Ein Abend mit der Tipp-Gemeinschaft

Gestern war ich so geschafft, dass ich nicht zum Reha-Sport ging. Hinterher hab ich mich geärgert. Statt nur auf der Arbeit zu sitzen, hab ich den Abend so auch noch sitzend verbracht.

Noch immer ist meine Sehnsucht nach Wiesbaden ungebrochen.
Noch immer schau ich Fotos an, den Blick aus „meinem“ Fenster, und versetzte mich dorthin zurück, sehne mich nach der Regelmäßigkeit des Tagesablaufes mit seinen Auszeiten, den Spaziergängen, der Ruhe. Und den regelmäßigen Mahlzeiten.

Stattdessen höre und erlebe ich Bürogeschichten, die so unglaublich sind, dass man sie sich nicht ausdenken könnte. Ich muss mir mühsam Freiräume schaffen, arbeitsmäßig und emotional, fange schon wieder an zu überlegen, ob ich wirklich eine Pause mache, wenn ich dafür ein halbes Stündchen früher zu Hause sein könnte. Und das, obwohl mir die Pause sowieso von meiner Zeit abgezogen wird, ob ich sie nun mache oder nicht. Es ist mühsam, sich der angespannten Stimmung zu entziehen, nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. Ich sitze an einer viel zu lauten Straße, so dass ich statt Luft nur Lärm hereinlüften kann. Ich fühle mich gehetzt und dann wieder gelangweilt vom ewig Gleichen. Ich mag die Geschichten nicht mehr hören, die Stimmung nicht mehr fühlen.
Die Abende erscheinen wie ein Wimpernschlag, viel zu schnell ist es kurz vor 10 und ich müsste schon wieder ins Bett, um am nächsten Morgen nicht völlig zerstört wach zu werden. Ich komme kaum zum Lesen, geschweige denn zum Verarbeiten dessen, was tagsüber auf mich einströmt. Und zum Teil auch abends auf mich einströmt. Und schon gar nicht bastel ich an meiner Zukunft, entwickel ich Ideen oder bin auch nur ansatzweise irgendwie kreativ.

All das tut mir nicht gut. Ich bemerke es, habe aber kein Patentrezept zur Hand, wie ich etwas ändern könnte. Ideen brauchen Zeit.
Schreiben übrigens auch.
Und Schreiben macht auch einsam, zumindest während des Schreibens, denn da bin ich total konzentriert. Wie soll ich es sagen? Ich fühle mich nicht einsam währenddessen, aber ich bin für Andere dann nicht erreichbar. Auch nicht für den Lieblingsmann. Der schreibt auch gerade. Seltsam, wie wir so in verschiedenen Ecken sitzen und vor uns hin tippen. Eine Tipp-Gemeinschaft der anderen Art, jeder spielt für sich.

Schon wird es dunkel. Wieder vergeht ein Abend,
diesmal zumindest nicht ungenutzt.

 

2 Gedanken zu “Ein Abend mit der Tipp-Gemeinschaft

  1. Gudi

    Hummel ….. dies Last abzuwerfen – arbeitsmäßig – ist ein schwerer Schritt, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen – ES LOHNT SICH –

    Wenn ich das lese fühle ich mich zurückgesetzt in die Benrather Zeit …. ufff

    Sende dir Mut und Kraft

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s