Kellergeschichten

Als wir vor 7 Jahren oder so in unsere Villa Klitzeklein einzogen, hatte ich noch gedacht, dass wir im Gegensatz zu meinem Elternhaus einen Luxuskeller haben. Die beiden Zechenhäuser, nebeneinander liegend, sind vom Erhaltungszustand grundverschieden. Mein Vater stückelt immer alles so zusammen, dass es irgendwie passt, in unserem Häuschen wohnten aber vor uns meine Tante und mein Onkel, beide handwerklich nicht gerade begabt, und daher wurden bei allen Reparaturen oder Verbesserungen Handwerker engagiert. Was auch dazu führte, dass dieser unser übernommene Keller quasi verkleidet ist mit weißen Wänden, die mit Abstand vor die Steinmauern gesetzt wurden, um noch eine Belüftung zu gewährleisten (bei alten Häusern nie versuchen, den Keller gänzlich trocken zu legen…!), und eine Betonwanne wurde eingezogen, damit das Grundwasser nicht von unten in den Keller fließt.
Ja, stimmt, wir liegen nicht direkt an der Ruhr, aber irgendwie sind die Gesteinslagerungen hier so, dass bei Ruhrhochwasser z.B. im Keller meines Vaters die Pumpe anspringt, die dafür sorgt, dass sein Keller dann nicht vollläuft.

Jedenfalls haben wir den Keller (bestehend aus zwei Kellerräumchen, denn das Haus ist nur teilunterkellert, unter der anderen Hälfte ist ein Stück des verfüllten Bunkers, der sich bis unter den Garten gezogen hat) übernommen mit Regalen, einer Werkbank, diversen Geräten, für die meine Tante in ihrer jetzigen Mietwohnung keine Verwendung mehr hatte, und in einem relativ gut sortierten Zustand.

Das sollte sich bald ändern, denn der Platz im Keller lädt ja einfach bei knapp 80 qm Haus dazu ein, ihn einzunehmen, sprich: vollzustellen.
Zunächst musste mal die Küchenzeile des Lieblingsmannes hinein, die schwarze Ikea-Lackküche, viel zu schade zum Entsorgen, und ja auch so praktisch. Schon war es geschehen um den Raum zum Bewegen, der eh durch die Deckenhöhe (ca. 1,80) schon etwas eingeschränkt ist.
Dann all unsere Werkzeuge, oft zweifach, unsere Autosachen, unsere Getränke- und sonstige Vorräte, diverse Gestänge aus dem Fotostudio, Hintergründe aus demselben, Computerteile, Katzenzeugs und und und – es ist elendig voll da unten.
Im zweiten Teil, unserem sogenannten Heizungskeller, einem Schlauch von 1 x 4-5 Metern oder so, befindet sich neben der Heizung unser Sammellager für Fliesenreste, Holzreste, Farbreste, leere Einmachgläser, Gartenzubehör und nicht zuletzt unser Schuhregal.

Letztens hab ich ja schon den einen Teil des Kellers völlig verwüstet, s. Hallo?!. Der hatte sich bis gestern auch noch gar nicht erholt und wieder sortiert, als nun der Heizungskeller auch mal ein wenig Aufmerksamkeit wünschte.

Der Lieblingsmann und ich wollten gestern e i g e n t l i c h mal was Schönes machen, an den Baldeneysee fahren und dort einfach dumm in die Gegend gucken und mal was essen. So sind wir gegen 15.00 Uhr losgefahren, allerdings schon gegen eine schwarze Wolkenwand, die just unterwegs dazu führte, dass völlig Land unter war in Essen, und wir kehrten kurzerhand in der Kluse ein, um dort „lecker zu schmausen“, wie unsere Nachbarin immer so schön sagt.

Da es auch danach noch goss und nichts war mit draußen sitzen und gucken, beschlossen wir, wieder nach Hause zu fahren und da vor uns hin zu stieren. Aber kaum hatte ich die Haustür aufgeschlossen, stieg mir ein Bääääh-Geruch vom Feinsten in die Nase.
WAS IST DAS? Klo übergelaufen? Schnell durch die 80 qm gerannt, aber nichts zu sehen. Und irgendwie kommt der Geruch auch mehr aus Richtung der Kellertür… Kellertür auf… bäääähh verstärkt sich, Treppe runter à braune Brühe auf dem Heizungskeller-Betonwannenfußboden. Lange Gesichter.

Jaaaa, aus dem einzigen Stück unverkleideter Wand neben der Heizung, hinter der sich der verfüllte Bunker befindet, läuft Stinkebrühe direkt in unseren Keller. Super! Ich habe sofort Bilder im Kopf gehabt von Dingen oder gar ehemals Lebewesen, die nun langsam durch unsere Wand… nein nein nein, diese Bilder will keiner haben! Jedenfalls hat sich herausgestellt, dass das Wasser auch nur ÜBER die Wand lief und eigentlich aus der Klappe in der Wand kam, die zu unserem Kamin führt. Also im Grunde wohl Regenwasser war, und nur auf seinem Weg bis zum Kellerboden alles mögliche mitgeschlemmt hat. Hach, war das ein Spass! Also Kellerraum 2 komplett in Kellerraum 1 räumen, der eh schon verwüstet ist, wischen und wringen, was das Zeugs hält, diverse durchnässte Dinge direkt aussortieren, und dann den Pustefix anstellen, damit er den Boden noch trockenbläst. Heissa, so ein Nachmittag kann schnell vergehen! Kam mir aber ewig vor. Obwohl ich noch nicht mal in der Ekelbrühe rumfuhrwerken musste, dank des Mannes, der tapfer seinen Krisenmodus anschmiss und tatsächlich kurzfristig noch in der Lage war, Späße abzusondern. Wie gut, dass er mittags schon zwei Termine abgesagt hatte, um endlich mal zur Ruhe zu kommen! Die hätte er ja auch gar nicht wahrnehmen können!

Wir werden demnächst Erlebnisurlaub anbieten bei uns, so Airbnb-mäßig, mit Vateranschluss, typischen Ruhrgebietlern, übgergewichtigen Katzen, die immer im Weg liegen, Überraschungs-Events und so. Läuft bestimmt.

 

2 Gedanken zu “Kellergeschichten

  1. Pingback: Warum man als Eigenheimbesitzer bei guter Figur bleiben sollte – Hummelweb

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