Reha 2.7 – Grad nochemol gud goange

Was kann ich berichten? Chefarztvisite hatte ich gestern.

„Sie sind die Frau Siepmann aus Essen und hatten im Februar einen Wirbelbruch.“

Ja, das stimmt.

„Sie üben eine sitzende Tätigkeit aus.“

Ja, auch das stimmt.

Folglich stünde eine Wiedereingliederung an, erst einmal 4 Stunden pro Tag, dann 6 Stunden, über zwei Wochen. Wenn es klappen würde mit dem Sitzen auf der Arbeit, könnte ich das auch jederzeit abbrechen und wieder voll arbeiten.

Ok.

Darauf angesprochen, dass ich noch immer keinen Termin für das Gespräch mit der Osteologin hatte, hat er sich einen Aufkleber aufs Hemd gepappt und versprochen, er kümmere sich drum. Und tatsächlich, morgen um 15.00 Uhr habe ich jetzt „Konsil“ im Plan stehen.

Gestern war ansonsten nicht mein Tag.
Erst PMR bei Frau S. Irgendwie kann ich mit der nicht. Aus dem Gesprächskreis „Schmerzbewältigung“ danach bei ihr bin ich rausgeflogen, weil ich kein chronischer Schmerzpatient bin. Das Argument, dass ich das auch nicht werden möchte, gilt nicht. Ich sei da nur drin aufgrund eines Computerfehlers. Als Ersatz dafür hab ich jetzt im Plan: Fahrradfahren. Das mach ich sowieso jeden Tag. Was mir fehlt ist: Luft!

Ich war gestern nur eine ¾ Stunde draußen, es hat so geschüttet, dass das echt keinen Spaß macht. Nach dem Abendessen wollten wir dann noch irgendwas spielen in der Cafeteria, aber noch nichtmal das Menschärgerdichnicht-Brett haben wir gefunden. Keinen Würfelbecher, keine Karten. Anscheinend wird das alles nur zum Spieleabend bereitgestellt? Jedenfalls lagen da nur unvollständige, zerfledderte Kästen rum. Frustriert und schlecht gelaunt hab ich mich schon um 8 ins Bett verzogen und dann noch eine Stunde mit dem Lieblingsmann gequatscht. Danach war es wieder besser. Es tut gut, vermisst zu werden 😉

Jetzt hab ich noch genau zwei Wochen vor mir. Es kommt mir nicht wie Halbzeit vor.

Im Laufe der letzten Woche sind deutlich mehr ältere Herrschaften männlichen Geschlechts angekommen, was sich zum Beispiel auf den Lautstärkepegel beim Essen auswirkt. Aber auch bei anderen Gelegenheiten geht es rauer zu diese Woche:

Heute früh musste ich zum Glukosetoleranztest. (Den hat „der Doktor“ angesetzt, warum, konnte mir keiner sagen, auch nicht, welcher Doktor… Habe schon mit einem Nüchternblutzucker von 107 angefangen… au weia. Der sollte ja eigentlich unter 100 sein. Und dabei habe ich keine Lachgummis gegessen! Nach dem Frühstück und dem Fahrradfahren zwei Stunden später lag er bei 111…) Hätte da aber mal jemand meinen Blutdruck gemessen, wäre der sicherlich hoch gewesen:

Ich komme um 9.45 Uhr pünktlich zum Termin für die zweite Messung am Schwesternzimmern an. Davor sitzen bewegungs- und grußlos zwei ältere Herren.

An der Tür ein Zettel:

Offene Sprechstunde zwischen 10.00 und 10.30 Uhr.
Ansonsten bitte klopfen und nach Aufforderung eintreten.

Da es noch nicht 10.00 Uhr ist und ich den Termin für 9.45 Uhr habe, klopfe ich zaghaft. Das war mein Fehler. Einer der Herren fährt mich umgehend lautstark von der Seite an:„Joh moanese denn, Sie müsste nedd wadde? Sie sind hier net die Ähnzigschde“.  (Oder so ähnlich)
Ich, zaghaft: „Ich habe einen Termin, ich dachte, Sie warten auf die Sprechstunde.“ Gleichzeitig geht die Tür auf, ein freundlicher junger Mann fragt mich, ob ich nur zum Blutzuckertest komme und bittet mich hinein. Er hat noch nicht ausgesprochen, da ist der „Herr“ bereits an der Tür, drückt mich zur Seite: „Isch bin vor! Woas denke Sie sisch denn? Als schee der Reih noach!“ und stürmt an mir vorbei in den Raum. Gut zu Fuß ist er jedenfalls. Der junge Mann sieht mich an und wir verständigen uns achselzuckend und augenzwinkernd. Ich atme auf.
Himmel no amoal! Des is joh grad nochemol gud goange!

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