Schee war’s – Reha 2.2

Ein seltsamer Effekt der Reha ist, dass, sobald die erste Woche überstanden war, eine Art stoischer Ruhe über mich kam und alles nicht mehr so schlimm erschien. Das Reha-Leben wird seltsam leicht, die Wege vertraut, das Chaos gewohnt, die Neuen erscheinen mir seltsam verbissen in ihrem Kampf um eine Gabel zum Frühstück, die nunmal einfach nicht vorgesehen ist. Wos reegscht di uff? Sschs hoalt so.

Samstag fuhr ich dennoch in die Stadt nunner, denn zum einen wollt ich sehen, ob’s da eine Chance auf weiteres mobiles Internet gibt (jaaaa, das beruhigt mich ungemein), zum anderen habe ich meinen Nachschub an Lachgummis aufgefrischt. Ich war mir halt nicht sicher, ob ich das lange Wochenende ansonsten schadensfrei übersteh. Jetzt, in der Zwischenrückschau, erscheint mir mein Aktivismus wie so oft übertrieben. Es wär schon gegangen ohne die Dinger, aber mit einem satten Polster lebe ich leichter. Gefühlt, nicht auf der Waage.

Jedenfalls bin ich kreuz und quer durch die Fußgängerzone, bin auch ins Cafe Maldaner, ein schönes altes Wiener Kaffeehaus, und war erst zum Mittagessen wieder „oben“, um dann um 13.00 Uhr schon wieder runterzufahren, zusammen mit 28 anderen Menschen, alle mit dem gleichen Ziel:

 

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Und das war richtig interessant. Ich kann nur empfehlen, wer mal in Wiesbaden ist, der gucke sich das Staatstheater an, Backstage-Führungen gibt es regelmäßig, sie sind immer anders, manchmal wohl auch mit Bühnenbegehung, was gestern nicht möglich war, weil gerade ein neues Bühnenbild aufgebaut und getestet wurde. Die Maifestspiele beginnen ja morgen. Aber es gab viel Information und Einblicke in Lagerräume, Malersaal (wo die Kulissen gemalt werden), Schreinerei, Schlosserei, Nebenbühnen etc. Und auch das Theater an sich hat sich der Kaiser Wilhelm schon schön machen lassen.

Leider wurde die ursprüngliche Wand- und Deckengestaltung irgendwann mal „modernisiert“, d. h. das neobarocke Gold wurde weiß überpinselt und die Wandbemalung gelblich. Inzwischen geht man wieder den umgekehrten Weg, zu sehen in der „Kaiserfahrt“, dem Eingang für den Kaiser, in den er mit seiner Kutsche fahren konnte, die Pferde hatten dort direkt Stallungen und er einen eigenen Treppenaufgang in seine Kaiserloge. Die ist übrigens nicht in der Mitte sondern am Rand der Bühne. Denn der Kaiser wollte sein Volk sehen und vom Volk gesehen werden.

Das Foyer, auf Wunsch des Kaisers 8 Jahre nach dem Bau des eigentlichen Theaters noch angefügt, enthält eine Deckenbemalung, die ursprünglich berühmte Menschen der Zeit zeigte. Der Kaiser war damit aber gar nicht einverstanden und der Maler musste die gesamte Decke neu bemalen, nichts sollte von der kaiserlichen Pracht ablenken. Der Maler hat sich daraufhin an einer Stelle, die der Kaiser nicht einsehen konnte, selbst gemalt, im Bild rechter Balkon, linke Säule im oberen grünen Bereich zu sehen, wenn man heranzoomt.

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Nach der Führung wird noch ins Degenhard am Luisenplatz zu Kaffee und Kuchen geladen, und so war es ein ausgefüllter Tag. Daher wollte ich den heutigen Tag, angekündigt mit viel Sonnenschein, mit Buch und ganz gemütlich verbringen. Hat nicht ganz geklappt, denn als ich im Park auf einer lauschigen Bank ein angenehmes Leseplätzchen gefunden hatte, gesellte sich Rudi dazu. Rudi ist Schwabe, 60 Jahre alt, und sitzt auch meist an unserem Tisch, zusammen mit Robert (Dachdecker und Feuerwehrmann) und Manuel, der auch älter ist als sein Name vermuten lässt. Wir vier hatten schon Freitag entdeckt, dass es in der Mielke-Klinik unter uns am Wochenende Alkohol gibt und den Abend dort verbracht. Allemal besser als Kniffelabend. Jetzt jedenfalls gesellt sich Rudi zu mir, und statt mein Buch zu lesen verquatschen wir die Zeit bis zum Mittagessen und beschließen, danach zum Schiersteiner Hafen zu fahren. Mit dem Bus. (Dass die freundliche Auskunft an der Rezeption uns allerdings trotz Nachschau im Internet eine Ausstiegshaltestelle angibt, die weit vor dem Hafen an der Autobahn zu Beginn eines Industriegebiets liegt, so dass wir erstmal ein ordentliches Stück laufen müssen, soll an dieser Stelle mal unter den Tisch fallen. Sind wir ja auch schon gewohnt, sowas…)

 

Und weil es so nett ist und auch so ein einladender Weinstand direkt am Hafen steht, verpassen wir das Abendessen und kehren auf dem Rückweg zur Reha im Thermalbad Aukammtal ein, um bei gefühlten 28° C und70% Luftfeuchtigkeit dort noch einen Happen zu uns zu nehmen. Schee war’s.

 

Ein Gedanke zu “Schee war’s – Reha 2.2

  1. Gudi

    Danke für diese tolle Führung durch die Sehenswürdigkeiten Wiesbadens 🖒
    Ich freue mich sehr für dich dass du so ein schönes Wochenende hattest. Weiter so❤

    Gefällt 1 Person

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