Erste Reha-Erfolge

Erfolg Nr. 1:

Ich schlafe gut.

Abgesehen von den seltsamen Geräuschen, die der Aufzug macht, der sich offensichtlich über unseren Zimmern einmal umdreht, um dann wieder runterzufahren.

Am ersten Tag dachte ich ja, es handele sich um Bohrgeräusche, aber nachdem die auch nach dem Abendessen noch zu hören waren, bin ich langsam hinter den Zusammenhang Aufzug – Geräusch gekommen. Ich muss dazu dringend mal das liebe Fräulein Theobromina befragen, die weiß doch inzwischen genau, wie so ein Aufzug funktioniert. Zum Glück habe ich keine Einschlafstörung, wenn ich müde bin, sacke ich einfach in mich zusammen und bin weg. Jetzt halt hier.

Erfolg Nr. 2:

Durch die festen Essenzeiten komme ich in einen anderen, wohltuenden Rhythmus von Ent- und Anspannung.

Anspannungsphase:

Nur nicht das Essen verpassen!

Habe ich auch nicht vergessen, den gelben, blauen oder roten Essenschip beim Abendessen für das Mittagessen am nächsten Tag mitzunehmen? (Auf diese Weise kann ich zwischen Vollkost (gelb), vegetarischer Kosten (blau) und schmaler Kosten (rot) wählen, heute hatte ich z. B. die Auswahl zwischen Grüne-Bohnen-Eintopf (gelb), Graupensuppe (blau) und Graupensuppe (rot). Tja.

Auch die vielen Fragen zu den Tischnachbarn sind aufregend. Wer sitzt schon, wer setzt sich dazu? Muss ich reden, und wenn ja, worüber? Ich bin jetzt den dritten Tag hier, und immerhin gabs heute Mittag das erste kurze „Nicht-Krankheit- und Nicht-Wokommstduher-Gespräch. Ich bin also zuversichtlich, dass da noch mehr kommt.

Entspannungsphase:
Wärmebehandlung
Gruppengymnastik die Halswirbelsäule
Gruppengymnastik mit dem dicken Hoppsball für die Lendenwirbelsäule.

Erfolg Nr. 3

Ich laufe viel durch die Gegend, teils aus Langeweile, teils um mal was Anderes zu sehen. Heute bin ich nach Wiesbaden reingelaufen,

habe dabei zufällig hier

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ein kurzes Orgelkonzert mitgehört und danach mit meinem Lieblingsmann telefoniert. Beschwingt bin ich dann auf dem Rückweg irgendwie falsch gegangen, so dass ich schließlich 3 Stunden unterwegs und genau pünktlich für die Graupensuppe wieder hier war. Dankbar habe ich diese durch Dieters Nachtisch ergänzt, einen Rosinenmuffin. Es sei ihm eine Freude, wenn ich ihn essen würde, hat er gesagt. Da konnte ich quasi nicht mehr anders.

Rein vorsorglich hatte ich mir aus Wiesbaden eine Käse-Laugenstange mitgebracht, die ich inzwischen auch noch gegessen habe. Fühle mich jetzt wie der Wal, der Jona verschluckt hat und schimmel seitdem dank mobilem Internet auf meinem Zimmer rum.

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Inzwischen mag ich es schon richtig

Ich muss mich ja auch ausruhen, bevor es Montag richtig los geht:

07.00 Uhr      Stretching (– parallel zum Frühstück, Mist!)
08.30 Uhr      Hydrojet
09.40 Uhr      Elektrobehandlung
12.00 Uhr      Mittagessen
13.30 Uhr      Orthopädische Rückenschule
16.00 Uhr      Trainingstherapie (was mag das wohl sein?)
17.00 Uhr      Abendessen

Hey hey hey, ein volles Programm!

Die „Einweisung Hydrojet“ hatte ich schon Freitag, sie steht aber auch für Dienstag nochmal auf meinem Plan. Traut man mir nicht zu, dass ich das Teil mehr als einmal bedienen kann? Ist aber auch wirklich eine Herausforderung. Wir wurden in Kleingruppen a 5 Personen eingewiesen, wie das geht mit dem Hydrojet:

Laken auflegen, Schuhe aus und drauf, Knöpfchen drücken und nach 15 Minuten zügig wieder runter, Laken mitnehmen, Schuhe erst im Vorraum anziehen, denn die Termine sind im 20-Minuten-Takt vergeben und es gibt keine Aufsicht! Wenn also jemand trödelt, kommt der ganze nachfolgende Plan in Verzug, das geht ja nicht, da müssen wir als Anwender darauf bestehen, dass die Person vor uns, sollte ansonsten eine Zeitenverschiebung drohen, vorzeitig den Hydrojet verlässt!

Kann schon aufregend werden, so ein Ortho-Reha-Alltag.

Am Dienstag ist dann meine erste Visite mit der Frau Doktor, die ich noch nicht einmal zu Gesicht bekommen habe. Zur Visite soll ich mir laut Aufnahmeärztin aber schon mal Fragen überlegen, denn die haben nie viel Zeit. Nee, ist klar.

Wie sagte meine Orthopädin? „Erzählen Sie denen alles, was sie haben, die haben ja Zeit und werden sich ein Gesamtbild machen.“ Das hab ich wahrscheinlich falsch verstanden. Ich brauchte einfach dringend ne Reha!

4 Gedanken zu “Erste Reha-Erfolge

  1. Gudi

    Oh Andrea ….. ich fühle mich als würde ich den Alltag mit durchlaufen *g*g*g* herrlisch!

    Da bin ich mal gespannt, wenn es richtig losgeht am Montag. …..

    Halte durch!

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  2. Theobromina

    Beim Lesen deiner Einträge schießt es mich jedes Mal zurück in den Herbst 2011, liebe Hummel. (Nur dass mein Wiesbaden Bad Oyenhausen hieß.) Der wichtigste Fund in den ersten Tagen war mir eine anständige Konditorei, in der ich dann auch fast alle Ausflüge verbrachte. Das ist auch, woran ich am liebsten zurückdenke, ehrlich gesagt. 😉 Und an die vielen Bücher, die ich mir habe in die Klinik schicken lasssen und die ich dann auch ordentlich Zeit hatte, zu lesen.

    Und da du mich zur Aufzugexpertin erklärst, aaaalso: kaum jemand weiß es, aber du bist jetzt auch dahinter gekommen: Manche Aufzüge drehen sich in der Tat nach der Aufwärtsfahrt einmal komplett herum und kommen dann kopfüber zurück. Das erkennt man auch daran, dass bei jeder zweiten Fahrt die Zahlen auf dem „Bedienelement“ falsch herum sind (denn das dreht sich nur in Anlagen ab 2016 mit, da gab’s eine Novellierung der Aufzugrichtlinie!), den meisten fällt das aber nicht so auf…

    Ich lese jedenfalls fleißig hier, vergnüge mich zuweilen köstlich, bin in Gedanken bei dir und hoffe, die Rehazeit wird dir gut tun. Ach so: Gab es eigentlich schon Verlängerungsverhandlungen?

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  3. Liebe Theobromina,

    danke vielmals für deine Aufzugerklärung (sieh an, sieh an!) und die lieben Worte! Ich hab ja ein wenig Angst, euch zu langweilen mit meinen ewigen Geschichten, aber mir tut es gut, das aufzuschreiben. Und ich zwinge ja niemanden, das zu lesen.

    Gerade hatte ich meine erste Visite, zufällig kam ich grad aufs Zimmer, denn die wäre laut meinem Plan erst in einer Stunde gewesen, „Augenverdreh“. Jetzt bekomme ich einen Termin mit einer Knochenärztin, mit der kann ich dann vielleicht mal besprechen, was das jetzt eigentlich für mich bedeutet und ob ich die Tabletten tatsächlich nehmen soll. Und ich habe nach einer Psychologin gefragt, das hätte ich doch vorher schon gesagt, dass ich das haben möchte, und jetzt weiß ich, dass „Sprechstunde“ genau das ist. Kommt am Donnerstag laut Plan.

    Die beiden Ärztinnen (hier gibts fast nur Ärztinnen, eine meinte, den Ärzten wär das zu unterbezahlt hier) meinten auch, dass es ja die Möglichkeit einer Verlängerung gebe, aber das könnte ich auch noch nächste Woche sagen. Ich hab beschlossen, bis dahin zu warten, mal sehen, wie sich hier alles entwickelt. Der Morgen fing jedenfalls gut an, ich hab jetzt Übungen, die ich jederzeit in der Muckibude machen darf für meine Schulter, ich hatte endlich die Einweisung an den Geräten, Stretching in einer Kleingruppe unter sehr netter Anleitung, es geht aufwärts.
    Trotzdem hab ich erstmal geheult, als die Visite vorbei war. Weil die so nett und jung waren. Und überhaupt. Ich weiß auch nicht, gehört wohl auch dazu. Vielleicht lassen meine gerade entspannten Muskeln auch einfach nur die ganze Trauer los, die sich in ihnen abgespeichert hat. Die ist nämlich plötzlich wieder total präsent.
    Wie auch immer, ich freue mich von dir zu hören!

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