Was ist schreiben?

 

An manchen Tagen kann ich nicht schreiben. Und das nicht, weil ich keine Zeit oder Muße habe. Ich bin dann ganz Gefühl. Auch wenn ich nicht weiß, was ich fühle, so habe ich in diesem Zustand auch keine Lust, darüber nachzudenken. Spüren ist dann angesagt.

Denn ist Schreiben nicht auch ein sich von dem, was gerade passiert, Trennen? Die Begebenheit, das Erleben, das Gefühl verlassen, um es anzuschauen? Und dann beschreiben zu können?

Sich etwas von der Seele schreiben – da ist etwas so groß und gewaltig, dass ich es durch das Ausformulieren loslassen kann, von mir weg bekommen kann, und vermeintlich wieder die Kontrolle über die Situation erhalte.

Das kann sicher hilfreich sein, wenn dieses Etwas so riesig und angsteinflößend ist, dass es mich zu verschlingen droht. Dass es verhindert, dass ich noch aktiv am Leben teilnehme. So hat dieses Projekt Blog ja auch angefangen. Ich habe etwas aufgeschrieben und euch hingeworfen. Bäng! So. Seht!

Aber habe ich mich tatsächlich danach besser gefühlt? Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mich besser gefühlt, weil ihr darauf reagiert habt. Euch frei genommen habt für mich. Mich besucht habt, mich angerufen habt, mir geschrieben habt. Das, dieser direkte erlebte Kontakt, das hat mir gut getan.

Warum schreibe ich also? Bin ich so kontaktgestört, dass ich nicht anders mit euch zusammenkommen kann? Das schließe ich jetzt mal kühn aus.

Vielleicht ist es die einzige Art von Anerkennung, die ich gerade bekomme. Das schon eher. Und Anerkennung braucht ja bekanntlich jeder.

Gut, mein Lieblingsmann erkennt mich an, aber diese kaum mal versiegende Quelle an meiner Seite nehme ich nur allzu gern gar nicht richtig wahr. Ist ihm gegenüber gar nicht nett, ich weiß das und arbeite dran. Ehrlich.

Was haben wir noch als Quellen für Anerkennung? Der Job. Hohoho, fällt gerade komplett aus wegen isnich. Und ist auch in der Regel nicht gerade eine Heilquelle, eher ein mühsam zutage gefördertes Rinnsal.

Der Nebenjob? Ja, das wäre schön, ist aber mangels Gelegenheit auch nix.

Es gäbe auch noch die Möglichkeit, sich einfach von Anerkennung unabhängig zu machen. Geht das?

Wikipedia meint „Gegenseitige Anerkennung gilt als notwendig für jede Art von Zusammenleben, beispielsweise in der Ehe, in einer Schulklasse oder im Beruf. Wird ein Gruppenmitglied nicht anerkannt, gerät es in Gefahr, zum Außenseiter zu werden.“

Als Außenseiter hab ich mich doch eh schon mein Leben lang gefühlt. Immer irgendwie anders als die Anderen. Nicht so richtig dazugehörig. Weder in der Familie noch in der Schule. Weder im Freundeskreis noch im Büro. Weder beim Theater noch in der langjährige Beziehung vor meinem Lieblingsmann. Das war alles schön, spannend, bereichernd, aber ich selbst fühlte mich ’seltsam‘, habe nur drauf gewartet, dass sich zwei märchenhafte Täubchen niederlassen und rufen: Ruckediguh, ruckediguh, Blut ist im Schuh!

Überall bin ich übrigens selbst gegangen, fällt mir gerade auf. Freiwilliger Rückzug vor vermeintlichem Taubengepetze.

Aber ich schweife ab, wo war ich? Ach ja, warum schreibe ich denn nu?
Langeweile? Spaß? Zeitvertreib? Nee, dafür hab ich ja noch ein paar Spiele und das WorldWideWeb parat, das funktioniert viel besser… Also doch Zurückverweis zu „Anerkennung.“
Selbstsüchtiges Miststück.
Alles aus Eigennutz, nicht fürs Gemeinwohl.
Weder edel noch hilfreich noch gut. Achherrje!

Jetzt hab ich mich ja schön selbst reingeritten. Das kann ich gut! Anerkennung dafür! Und nun:
Hüa, mein Pferdchen, raus in die Sonne!
Es ist so ein schöner Tag!

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2 Gedanken zu “Was ist schreiben?

  1. Nach Anerkennung zu suchen hat meiner Meinung nach nichts mit Selbstsucht zu tun, sondern ist Teil unseres sozialen Verhaltens als Mensch. Wie du schon sagtest: Anerkennung sucht jeder!
    Eine ehrenamtliche Aufgabe kann auch sehr viel Anerkennung mit sich bringen (schon allein, weil es nicht viele machen). Vielleicht findest du ja die Zeit dazu? Es gibt da in jeder größeren Stadt ein breites Spektrum, an dem man sich beteiligen kann. Alles unkomplizierter als man denkt, glaub mir. Und es gibt einem wirklich viel zurück 🙂

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  2. Liebe gloriamonique,

    danke für deine Anregung. Ja, du hast natürlich recht, so ein Ehrenamt kann sehr bereichernd sein. Ich engagiere mich bereits in der Flüchtlingshilfe, vielleicht auch auf der Suche nach Anerkennung. Allerdings ist es tatsächlich zeitlich schwierig, wenn ich wieder arbeiten gehe, da die Zeiten, in denen ich mich einbringen kann, eher vormittags bzw. tagsüber sind, und da steh ich dann nicht mehr zu Verfügung. Aber mein Zeitmanagement ist eh verbesserungswürdig, vielleicht wird das ja nach dieser „Auszeit“, die ich gerade habe, auch anders…
    In diesem Sinne dir einen wunderschönen sonnigen Tag und ein schönes Wochenende!
    Die Hummel

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