Wie es begann

Den unten stehenden Text hab ich an meine Freunde verschickt. Und viele Rückmeldungen erhalten. So viele, dass ich dachte, vielleicht ist es an der Zeit, meine Gedanken öfter zu teilen. Und so ins Gespräch zu kommen. Was meint ihr?

Im Februar 2017

Wie wird mir dieser Monat in Erinnerung bleiben? Als der Monat des Schmerzes, der Luftnot und der Einsamkeit? Als ein Neubeginn?

Die letzten Wochen des letzten Jahres waren hart, der lange Tod meiner Mutter, der plötzliche Tod meines Ex-Schwagers, der unbegreifbare Tod eines guten Freundes, ich fühlte mich verletzt, aber nah dran am Leben. So viele liebe Rückmeldungen sind gekommen, und ich war so gut im Annehmen. So kam es mir vor. Ich ließ alle Emotionen durch mich durch, war ganz weich und offen, habe viel geweint, aber eben auch gelacht. Das ist das Leben, dachte ich. Und dass ich da sein möchte für die Menschen, die mir nah sind.

Nach ein paar Wochen fragt niemand mehr, wie es mir geht. Und wenn, bin ich fast schon erstaunt. Mir? Mir geht es doch gut! Ja doch.

Und belege einen Kurs zum Thema „Wandel“, endlich müssen jetzt auch ein paar Kilo runter, ich beginne ein neues Projekt im Gesundheitsbereich, meine Energie ist fühlbar, die positive Rückmeldungen tun mir gut.

Nur zwischendurch, wenn ich an meine Freundin und ihren verstorbenen Mann denke, bin ich seltsam tot. Grau. Stumpf. Fühle mich so hilflos und selbst so bedürftig. Sie ist so stark. Fast hasse ich sie dafür.

Und zwischendurch fällt meine Mutter mir wieder ein, wie wir zusammen Zeit verbracht haben im Heim, ohne Worte, aber doch zusammen, den anderen spürend, begleitend. Wie wohltuend, wie erdend diese Zeit oft war für mich, und wie seltsam, dass ich diese Zeit einfach ersatzlos gestrichen habe. Ersetzt durch Abende vor dem Fernseher mit Alkohol zu Entspannung. Ersetzt durch Schlaf, der mich vergessen macht, was ich fühle.

Aber ja, ich sehe das ja alles, und jetzt kommt bald das Frühjahr, die Tage werden länger, heller, ich werde wieder mehr an der Luft sein, meinen Körper trainieren, meinen Geist straffen.

Und dann werde ich krank.

Bronchitis. Mit Asthma. Jeder Atemzug wird zur Qual. Ablenkung, die nicht hilft. Medikamente, die nicht wirken. Ein Zuhause, das sich mir feindlich gegenüberstellt, mir mit jedem Katzenhaar zu sagen scheint, dass das nicht die richtige Umgebung für mich ist. Aber ich habe keine andere. Wo soll ich hin? Die ersten Tage gehen im Fieber fast unter, ich huste mir die Seele aus dem Leib, aber es wird einfach nicht besser. Dann Cortisoninfusion, Cortisontabletten, Antibiotika, bis alles in mir brennt und roh ist. Die ersten Anfragen, wann ich denn wieder arbeiten komme. Hilfe!

Auf jeden besseren Tag folgt ein schlechterer, zunehmend geht mir der Husten auf den Rücken, und inzwischen kann ich mich kaum noch bewegen. Der Rücken scheint zu brechen. Gleich sitze ich in der Notfallsprechstunde beim Orthopäden. Ich kann nicht mehr. Die durchwachten Nächte, die ständigen Schmerzen, das ewige Fiepen aus meiner Brust, und die Einsamkeit. Ich fühle mich dermaßen bedürftig, dass ich mich selbst nicht aushalten kann. Ich höre und sehe mir zu und kenne diejenige nicht, die ich da höre und sehe. Bin das wirklich ich? Was passiert hier? Und warum muss ich immer heulen? Warum kann ich nicht etwas Schönes machen, was ich schon immer mal machen wollte, wenn ich zu Hause bin?

Und dann das Gefühl: So schlecht wie deiner Freundin geht’s dir nicht. Du hast noch deinen Lieblingsmann. Du bist nicht allein. Du musst nicht alles alleine machen. Sei nicht so undankbar.

Hilfe, ich will raus aus diesem Loch. Bitte. Gebt mir Hormone. Gebt mir Sonne. Und Liebe. Und warmes Essen, was nicht dick macht. Ist das Glück schon die Abwesenheit von Schmerz?

Ich weiß, das Glück ist um mich rum, ich weiß es, auch jetzt, aber ich kann es gerade nicht zulassen, ich kann es nicht spüren. Ich will es wohl irgendwie auch nicht. Trotziges kleines Mädchen. Alles ist seltsam bitter, auch das Glück der kleinen Dinge, die ausgelassen spielende Katze, das warme Wasser auf meinen Händen. Schwermut hängt auf mir, wie ein viel zu großer Mantel. Kein Wunder, dass mein Rücken bricht.

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